Kavallino: 06/16

Umgang lernen, Beziehung aufbauen

Auch das will gelernt sein: Die Kinder lernen das Putzen und Pflegen des Fells.

Nicole Leibundgut arbeitet mit ihren Ponys nach dem Hippolini-Lehrkonzept mit den Kindern und macht damit gute Erfahrungen.

Durch die Arbeit in Zweiergruppen wird den Kindern der Teamgedanke nahegebracht. Eines von ihnen ist für das korrekte Führen zuständig. Das zweite kann sich auf dem Pferd ohne Zügel ganz auf seine Balance konzentrieren.

Auf höheren Hippolini-Stufen werden auch schon die ersten Hindernisse überwunden.

Hippolini ist ein reitpädagogisches Lehrkonzept. Für die Kleinsten gibt es den Hippolini-Mini-Club, ab Primarschulalter mehrere Stufen von Hippolini-Kursen. Hippolini-Lehrerin Nicole Leibundgut aus dem Baselbiet ist überzeugt, dass das spielerische Lernen mit dem Pferd einen alters- und tiergerechten Umgang vermittelt.

Interessiert sich das Kind für Pferde und Pferdesport, folgt für Eltern vielfach die Frage nach dem «Wie fördern und wie vermitteln?». «Mit dem Hippolini-Konzept erlernen kleine Kinder ohne Druck den Umgang mit Pferden», erklärt die Baselbieterin Nicole Leibundgut. Während Kinder mit drei Jahren für ihr Verständnis doch noch sehr jung seien, befürwortet sie den Einstieg etwa ab dem vierten Altersjahr. «Das Hippolini-Konzept erlaubt es jedem Kind, seinem Tempo entsprechend und ohne Erfolgsvorgabe gefördert zu werden.» Reiten hat nicht oberste Priorität – vielmehr richtet sich der pädagogische Aufbau von Hippolini auf den Umgang mit dem Pferd und das grundsätzliche Wissen über die Haltung aus. Leibundgut steht hinter diesem Gesamtkonzept, weil mit dem abwechslungsreichen Programm sowohl den Kindern als auch dem Wohl der Tiere Rechnung getragen werde.

Roten Faden gegeben
Nicole Leibundgut arbeitet seit 2014 selbstständig mit fünf Ponys und ist seit frühester Kindheit mit Pferden verbunden. Ihre reiterliche Grundausbildung geht auf Voltige und Reitstunden in unterschiedlichen Reitschulen zurück. Nach wie vor besucht sie Reitstunden oder lässt sich beispielsweise in Horsemanship oder Freiheitsdressur weiterbilden. Seit jeher habe sie gerne mit Kindern und Ponys gearbeitet und Pony-reitstunden angeboten: «Kinder sollen Zeit und Raum haben, erst einmal die Führungskompetenz über den eigenen kleinen Körper in dieser Welt zu erlangen.» Irgendwann seien ihr die Ideen für kreative Reitstunden ausgegangen. Daraufhin entschloss sie sich, die Ausbildung als Hippolini-Lehrerin zu absolvieren. «Seither weiss ich immer ganz genau, was ich mit den Kindern machen kann und will. Jede Stunde ist exakt vorbereitet.» In laufenden Hippolini-Weiterbildungen holt sie sich neue Inputs und erfährt Methoden, wie die eigene Kreativität weiter gefördert werden kann. «Die Ausbildung vermittelt einen roten Faden», ergänzt Leibundgut. Am Konzept überzeugt sie, dass nicht nur das Reiten im Vordergrund steht. Besonders betont sie die Wichtigkeit der Führarbeit. «Es wird oft unterschätzt, wie wichtig es ist, dass Kinder ein Pferd korrekt führen können.» Leibundgut ist überzeugt, dass Natur und Tiere wertvolle Eckpfeiler für Kinder sind. Mit den Tieren bei jedem Wetter draussen zu sein, stärke sowohl Immunsystem als auch Selbstbewusstsein und sei Basis für eine gesunde Sozialkompetenz. Durchsetzungsvermögen und Feinfühligkeit seien weitere wichtige Kompetenzen, die sie selber an Kindern, die mit Pferden arbeiten, feststellen kann.

Für Nicole Leibundgut bietet das Hippolini-Label Eltern, was sie oft für ihre Kinder suchen: eine Möglichkeit, den Umgang mit Pferden von der Basis aus zu erlernen und Beziehungen zu Tieren und zu Gleichgesinnten aufzubauen und zu pflegen.

 

Ein Hippolini-Kurs ...
… wird in der Regel in Gruppen von sechs bis acht Lernenden durchlaufen, die dabei mit pädagogisch durchdachten Spielen, reichlicher Bewegung und sozialem Miteinander eine solide Basis erlangen. Das Schwergewicht liegt auf einem ausbalancierten Sitz und dem einfühlsamen und durchsetzungsfähigen Umgang mit dem Tier. Gleichermassen wird altersgerecht Wissen über Pflege und Haltung bis zu Freizeitgestaltung und Sport vermittelt. Idealerweise sind gut ausgebildete Schulpferde oder -ponys im Einsatz, die mit der Grösse der Lernenden harmonieren.

Die Vermittlung der reiterlich korrekten Einwirkung zunächst vom Boden aus und später der mitschwingenden Balance auf dem Rücken des Tieres – vorerst ohne Zügel – ist der methodische Kern. Die Lernenden sind dabei stets im Team unterwegs und das Tier ist respektvoll geachteter Teil des Teams. Die Reitpädagogik Hippolini wurde 1996 von Jeannette Wilke entwickelt. Wesentliche Ansätze sind beispielsweise die dezentrale Unterrichtsführung, individualisierte Lernprozesse oder ein demokratisches Miteinander. Auf Leistungsmessung wird bewusst verzichtet.

Seit 2004 existiert das unabhängige Hippolini Institut. Über Voraussetzungen, Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Kursdaten oder über das Angebot an Hippolini-Lehrkräften in der Schweiz informiert die Website www.hippolini.org

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