Von: Simone Barth

Zucht: 06/16

Sich für sein Zuchtziel einsetzen lohnt sich

Was verkäuflich ist, haben die Züchter in der Hand: Gesucht sind einfache und unkomplizierte Pferde mit angenehmen Bewegungen. Foto: Helen Marti

Das vertrauenswürdige Pferd für die Familie, das soll der Freiberger bleiben.

Es ist für alle etwas dabei – an der Verkaufsschau in Sumiswald waren über 40 Pferde verschiedenster Herkunft im Katalog aufgeführt.

Was sich mit Freibergern auch noch machen lässt, zeigten Nadine Rothenbühler und Lea Beer bei der Mittagsunterhaltung.

Bei den Züchtern verpönt, bei der Kundschaft beliebt sind Pferde mit viel Weiss.

Die Freiberger verkaufen sich gut. Trotz rückläufiger Abfohlraten bleibt das Angebot an der Verkaufsschau in Sumiswald stabil. Gefragt sind die Unkompliziertheit und die Einfachheit dieser Pferde.

Es ist für alle etwas dabei!», ist Urs Weissmüller aus Horboden der Ansicht. Der Präsident des Bernischen Pferdezuchtverbands besucht die Freibergerverkaufsschau in Sumiswald BE. Weissmüller soll die Interessen des Kantons Bern in der Züchterlandschaft nach aussen, aber auch innerhalb des Verbands, vertreten. Ein nicht immer ganz einfaches Unterfangen, wie Weissmüller sagt. Während viele sich der Zucht des modernen und sportbetonten Freibergers verschrieben haben, gibt es auch immer wieder Stimmen, die davor warnen, die Qualitäten des Schweizer Pferdes aufs Spiel zu setzen.

Verlust des schweren Typs droht
Im Katalog der Freibergerverkaufsschau Sumiswald stehen auch heuer über 40 Freiberger mit ganz unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlicher Herkunft. Viele kommen aus dem Einzugsgebiet. Gerade aus dem Oberemmental, dessen Genossenschaft neben dem Pferdezuchtverein Unteremmental und dem Pferdezucht- und Sportverein Burgdorf, die Verkaufsschau mitorganisiert, kommen viele sehr edle  und «moderne» Freiberger daher. «Katzen» nennen sie zwei ältere Besucher aus der Nordwestschweiz. Sie glauben, dass die Entwicklung in eine falsche Richtung gehe. Man müsse streng beobachten, was genau in den einzelnen Regionen mit dem erhöhten Einsatz des N-Blutes passiere. Es drohe ein Verlust des schwereren Freibergertyps. Des Pferdes, das vor den Gesellschaftswagen passe. Der einfachen «Märe», die vertrauenswürdig auf die Familie wirke. Denn genau das solle er bleiben. Ein Familienpferd. Der Freiberger.

Das Wichtigste ist der Charakter
Die einzige Schweizer Pferderasse, als einer der letzten Vertreter des leichten Kaltblutpferdes in Europa, hat sich verändert. Der Nachfrage angepasst, wie viele der Züchter immer wieder betonen. Zu ihnen gehört auch Martin Baumgartner, Langnau i.E. Er ist im OK der Verkaufsschau Sumiswald. Auch er bringt jedes Jahr Pferde an die Verkaufsschau. Freiberger mit viel Ausdruck und durchwegs guten Bewegungen. Das Wichtigste sei aber nach wie vor der Charakter, ist Baumgartner sicher. Er nennt sie Selbstläufer, die Pferde, die sich am besten verkaufen lassen. «Immer mehr Leute können sich ein Pferd leisten. Das ist ein Vorteil für die Züchterlandschaft», weiss der Spezialist. Dennoch glaubt er, dass die Ansprüche gestiegen sind. Nicht an Dinge, auf die der Züchter achtet, sondern an die Unkompliziertheit, an die Einfachheit der Pferde. 

Einfach hat es aber zumindest der Züchter von Freibergern nicht. Die Exporte werden ihm durch hohe Zoll-abgaben erschwert und die Billigimporte setzen ihm zu. Ins Ausland kann nur verkaufen, wer einen Kunden findet, der auf Swissness setzt. Das gegenüber Oststaaten eher teurere Freizeitprodukt hat seinen Preis. Dafür sind Aufzucht und Ausbildung auf engem Raum nachvollziehbar.

Es wird an guten Pferden fehlen
Im Moment spürt die Organisation um die Freibergerverkaufsschau davon noch nichts. Aber man ist sich -einig: dereinst dürfte es an guten Freibergern fehlen. Das glaubt auch Heinz Mägli. Er ist mit Sätteln und Wagen an die Verkaufsschau gereist. Er betreibt in Mümliswil SO eine Schmiede und ein Reitsportgeschäft und ist Vizepräsident des Schweizerischen Freibergerverbands. Die Welt in der Landschaft dieses Pferdes ist engmaschig, stark verhängt. «Wir finden gar keine unabhängigen Funktionäre, dafür ist die Branche zu klein», weiss Mägli, der zudem auch Hengsthalter ist. Es gehe aber in erster Linie ums Pferd und nicht um die Funktionen, ist er sicher. Mägli steht derzeit selber in der Kritik. Er hat sich einen jungen Westfalenhengst zugelegt. Der 162 cm grosse Deutsche könnte als moderner Freiberger durchgehen. Die Farbe und das Exterieur stimmen. Daddy’s Best besticht auch durch einen einmaligen Charakter und hervorragende Gangqualitäten. Dass Mägli mit ihm gewisse Hintergedanken in Sachen Einkreuzen pflegt, lässt er so stehen. «Ich stehe dem Freiberger und seinen Menschen vorbehaltlos zur Verfügung», erklärt er. Es sei nicht verboten, neben dem Freiberger auch ein Pferd einer anderen Rasse zu halten. Seine drei Söhne reiten alle im Springsport, haben alle Warmblutpferde im Besitz. Aber auch die Freiberger kommen bei Mäglis unter den Springsattel. Für den Vizepräsidenten wäre es wünschenswert, sich mehr auf der Sachebene zu bewegen. Als Befürworter der Einkreuzung beim Freiberger, die seit mehr als einem Jahr diskutiert wird, mag sich Mägli nicht verstecken. «Man kann für oder gegen etwas sein», ist er überzeugt, «aber man muss sich dafür einsetzen.»

In Sumiswald setzen sich die Züchter und das OK für den Verkauf der Freizeitrasse ein. Die Diskussion um die Einkreuzung mit einem Warmbluthengst, um den Erhalt der Rasse und den Schutz eines Kulturguts, den vermehrt Züchter beantragen, wird weitergehen. Auch nach der Verkaufsschau im Herzen des Emmentals.

Farbenfrohe Pferde sind beliebt
Neben Charakter und lückenloser Aufzeichnung der Herkunft sind farbenfrohe Pferde gefragt. Möglichst dunkel sollte ihre Jacke sein, egal, ob braun oder fuchsfarben. Gerne wird auch ein Übermass an weisser Farbe an Kopf und Beinen gesehen. Eigentlich etwas, was in der Züchterlandschaft tendenziell verpönt ist. Bei Hengsten führt es sogar zum Ausschluss aus der Zucht. Die strenge Selektion des Freibergers hat ihn schliesslich dahin gebracht, wo er heute ist. Dennoch vernimmt man immer wieder Kritik am Dachverband der Rasse, dem Schweizerischen Freibergerverband. Während die einen eine zu strenge Selektion bei den Zuchtpferden sehen, ist sie den anderen eher zu lasch. «Etwas zu wenig auf die Basis bezogen», sagt OK-Präsident Fritz Schmid, Bolligen, gegenüber Kavallo. Etwas weniger Forschung betreiben, dafür vermehrt Massnahmen ergreifen, die der Zucht dienen, wäre sein Rezept. Diese ist nämlich rückläufig. Und zwar deutlich.

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