Editorial: 06/16

Stallglück für Vier- und Zweibeiner

Wann sich Pferde wohlfühlen, wird seit Jahren recht umfangreich erforscht.  Entsprechend ausgearbeitet sind die gesetzlichen Vorschriften, wie Pferde und ihre Verwandten in unserer Umgebung zu halten sind: so weit wie möglich an die Eigenschaften, die sich bei ihnen in einer 50 Millionen Jahre dauernden Evolution entwickelt haben. In der 5000-jährigen Domestikation liessen sich über gezielte Anpaarung Hunderte von wunderbaren Pferderassen hervorbringen, die im Erbgut fixierten Grundeigenschaften hingegen nicht eliminieren. Damit befasst hat sich unter anderem das von Kavallo und «BauernZeitung» organisierte Stallseminar an der PFERD in Bern. 

Pferde leben unbestritten besser als noch vor wenigen Jahren. Wenn aber in einer Umfrage rund die Hälfte der Befragten die Meinung vertritt, der Schutz der Pferde reiche in der Haltung nicht weit genug, sind Anlässe wie das Seminar «Wie Pferde leben möchten» angezeigt.  Dort war unter anderem zu hören, dass Verbesserungspotenzial weiterhin vorhanden ist und nicht einmal teuer sein muss. Wie gute Ställe aussehen, soll mit dem angekündigten Stallwettbewerb «Der gute Stall» ermittelt und bekannt gemacht werden.

Ein gutes Stallklima hängt indessen nicht allein von artgerecht untergebrachten Pferden ab. Wichtigster Akteur in jeder Haltungsform ist und bleibt der Mensch. Wenn in Deutschland ein Flyer für Benimmregeln herausgegeben wird oder ein Hufschmied einen Stall wegen Mobbing nicht mehr aufsucht, ist die Pferdeforschung dringend  auf das Pensionärenumfeld zu erweitern. Beim Pferd weiss man: Ab 330 Quadratmetern fallen Aggressionen weg. Die Dicke einer Boxentrennwand reicht beim Menschen nicht. Menschliches Stallglück ist auch wichtig, denn das überträgt sich auch auf das Pferd, wie letzthin eine englische Studie aufzeigen konnte. 

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