Kavallino: 05/16

Zwei Herzen und eine Seele

Lara (links) und Anna Stuppia: «Wir mochten Quenno einfach, auch wenn er uns immer wieder abwarf.»

Anna, die jüngere der beiden Schwestern, demonstriert die innige Verbundenheit bei der Arbeit vom Boden aus.

Lara und Anna mit Quenno und ihren Fans, am zweiten Instagram-Follower-Treffen, welches sie im Pensionsstall durchführten.

Lara kann Quenno im Sattel inzwischen zu 200 Prozent vertrauen: «Er will immer alles richtig machen für seine Menschen.»

Was aus Quenno in den drei Jahren geworden ist, zeigen diese Bilder sehr schön.

Zwei Teenager bekommen von ihren Eltern ein «ausrangiertes» Reitschulpferd. Woran die beiden zunächst zu scheitern drohen, das nehmen sie als Herausforderung an, wachsen daran. Sie schreiben wortwörtlich Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte, die ans Herz geht – mit internationaler Ausstrahlung.

Es ist ein Bild inniger Verbundenheit, das sich in der Reithalle in Galgenen bietet – als bewegte sich ein tanzendes Paar über das Parkett. Das Paar sind Anna Stuppia aus Lachen und der 12-jährige Wallach Quenno bei ihrer Freiheits-dressur. Am Hallenrand sitzen Annas Schwester Lara und Mutter Katja. Sie fiebern mit den beiden mit, unterstützen sie mit spürbarer Zuneigung. Zu glauben, dass Anna mit Quenno ein Pferd an der Seite hat, das ihr zunächst nur Tränen und Frust abverlangte, das sie beim Führen über den Haufen rannte, sie unwillig abwarf, fällt schwer. Die 16-Jährige und ihre Schwester Lara (18 Jahre) haben den Wallach vor vier Jahren bekommen. «Quenno war ein Reitschulpferd und hat jeden Schüler abgeworfen. Er konnte nicht länger im Reitschulbetrieb eingesetzt werden», erzählen sie. «Aber irgendwie mochten wir ihn.» Entgegen allen Ratschlägen ihres Umfeldes kauften die Eltern den Franzosen, der allem Anschein nach Appaloosa-Blut haben dürfte, für die Mädchen. Es begann eine Odyssee zwischen Freude und Frust, Zuversicht und Angst. «Immer wieder waren wir nahe daran, den guten Glauben zu verlieren.» Dass ihr Pferd als «Bock» und als «Nichtsnutz» bezeichnet wurde, schmerzte die Mädchen. Die Wende zeichnete sich ab, als ihre Mutter, Pferde- und Turnierfotografin, für ein Shooting in einem Horsemanship-Kurs gebucht wurde. Katja Stuppia spürte, dass die Methoden möglicherweise ein Ansatz für ihre Töchter in ihrer Arbeit mit Quenno sein könnten. Sie meldete Anna für einen Kurs an. Und Quenno begann Fortschritte zu machen, lernte, sich zu konzentrieren, den Menschen an seiner Seite zu respektieren, ihm zu vertrauen. Erfolg stellte sich ein. Heute weicht Quenno nur ungern von der Seite seiner Menschen, wenn diese nach getaner Arbeit den Pensionsstall verlassen. Er arbeitet motiviert und lernbegierig mit Anna am Boden, zeigt sich kooperativ und fein reitbar unter dem Sattel mit Lara. Quenno erreicht mittlerweile mit den unzertrennlichen Schwestern und -«besten Freundinnen» Klassierungen in Dressur- und in einfachen Springprüfungen.

Bessere Englischnoten
«Quenno hat uns noch enger zusammengeschweisst», sagen Lara und Anna. Weit mehr: «Wir haben gelernt, dass die Bedürfnisse unseres Pferdes, sein Wohlbefinden höher zu werten sind als leistungsorientierte sportliche Ziele. Heute ist uns wichtig, dass Quenno in jeder Situation brav bleibt und sich nicht stressen lässt.» Dass sie mit dem Wallach, der nun mal nicht besonders hoch springe, manchmal belächelt würden, stört keine von ihnen. Wieso auch? Weltweit ist ihnen die Sympathie von fast 60000 Menschen gewiss. Menschen, die über das soziale Netzwerk Instagram als sogenannte Follower ihren Alltag mit Quenno verfolgen. Auf dem Profil «Boyenno» beschreiben Lara und Anna täglich auf Deutsch und Englisch, was sie mit Quenno beschäftigt. Dass so viele aktive Interessierte in ihrer Gemeinschaft zusammenfinden würden, damit hätten sie beim Start vor zwei Jahren nie gerechnet. «Schweizweit hat unser Profil unter vergleichbaren Profilen die grösste Anzahl Followers aus aller Welt.» Die Internetpräsenz bringt Lara und Anna neben besseren Englischnoten in der Schule oder neuen Freundschaften auch Sponsoren. Reitmaterial oder Futtermittel würden ihnen zur Verfügung gestellt und sie würden von internationalen Firmen für eine Zusammenarbeit angefragt. 

Bodenhaftung
«Eine zufällige Begegnung mit zwei fremden Mädchen, die uns spontan auf unser Instagram-Profil angesprochen haben, hat den Anstoss für ein erstes Fantreffen vor rund zwei Jahren geliefert.» Etwa 30 Leute, vorwiegend junge Mädchen, seien gekommen. Das zweite Fantreffen fand zusammen mit Quenno statt. «Wir haben gezeigt, wie wir mit ihm arbeiten, und liessen die Fans auf ihm reiten.» Bei allem Ruhm und aller Ehre beweisen die Stuppia-Schwestern bemerkenswerte Bodenhaftung: Während Lara nach der Matura und einem Studium in Jura oder Psychologie den Beruf als Polizistin anstrebt, ist Anna noch unsicher, ob es sie eher in Richtung Geschichts- oder Psychologiestudium ziehen wird.

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