Editorial: 05/16

Niemand hat etwas gegen Pferde

Gegen Pferde habe niemand etwas, war letzthin in einem Artikel zur Raumplanung in der «Neuen Zürcher Zeitung» zu lesen. Das hört man doch gerne. Und viele, die in diesen Tagen im ganzen Land all die Füchse, Braunen, Schimmel, Rappen und Schecken auf den sattgrünen Weiden fressen sehen, werden sich an den friedlichen Bildern freuen – ob sie nun den Pferden nahe-stehen oder nicht. Nur, ganz so beruhigend ist die Aussage, niemand habe etwas gegen Pferde, nicht. Denn im Artikel von Alain Griffel, Professor für Staats- und Verwaltungsrecht, geht es um die Zersiedelung der Landschaft, um die laufend neuen Zugeständnisse an die Landwirtschaft, Böden und Gebäude neuen Zwecken zuzuführen. Exakt über diese Lockerung freute sich die Pferdebranche vor gut zwei Jahren, als das Parlament ein Herz für Pferde zeigte und die Zonenkonformität in der Landwirtschaftszone erleichterte. 

Gegen Pferde hat auch niemand etwas, wenn die Zunftreiter am Zürcher Sechseläuten neu im Besitz des Brevets sein müssen. Diese Massnahme soll die Kritik aus Tierschutzkreisen entschärfen, die den Verzicht auf Pferde am Traditionsanlass forderten. Gegen die Brevetpflicht ist nichts einzuwenden. Zu Unfällen wie letztes Jahr, als ein Pferd beim Umritt um den Böögg tot zusammenbrach, darf es nicht mehr kommen. 

Direkt gegen Pferde haben wohl nur ganz wenige Schweizer etwas. Damit liesse sich leben, wenn der stetig gewachsenen Pferdegemeinde auch Rechte und nicht nur Pflichten erwachsen würden. Denn mit Weideflächen allein ist erst dem Pferd geholfen, nicht aber dem Reit- und Fahrsport. Verbote und Vorschriften schränken immer mehr ein. Ein Blick über die Pferdeohren hinaus könnte abhelfen: Hinter privaten Bemühungen, das vor der Stalltüre liegende Reitgelände mit freiwilligen Beiträgen zu verbessern, sollte auch ein einig Volk von Pferdesportlern stehen. 

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