Editorial: 04/16

Pferde bald nur noch im Zoo?

Dieses Szenario hatten wir doch schon ein-mal. Allerdings unter ganz anderen Voraussetzungen als heute. In den 50er-Jahren nämlich, als die Pferde aus Landwirtschaft und Transportwesen vom Motor verdrängt wurden. Heute aber ist ihre Existenz offenbar von anderer Seite her bedroht. Eine Mitte März vom Schweizer Tierschutz verschickte Mitteilung hält nämlich fest, dass in zwei Dritteln aller Reitschulbetriebe hinter die Qualität der Tierhaltung ein grosses Fragezeichen zu setzen sei. Ist das tatächlich der Fall, obwohl wir uns in der Schweiz eines Tierschutzgesetzes erfreuen, das im internationalen Vergleich zu den strengsten Regelwerken zählt? Für den Tierschutz offenbar schon, wenn einzig Gruppenhaltung akzeptiert ist.    

Ist die Einzelhaltung so bedenklich, wie das in der Reiterhof-Recherche des Schweizer Tierschutzes dargestellt wird? Stellt sie jene Haltungsform dar, welche laut Report sogar für den Reiter am «schadenträchtigsten» ist? Kann sie schlichtweg nicht sein, wenn eine keineswegs large Tierschutzverordnung Einzelboxen erlaubt. Freilich handelt es sich um Mindestanforderungen, die einzuhalten und zu kontrollieren sind.

Ob Reitschulpferde wirklich die am meisten zu beklagenden Pferde sind, ist hingegen mehr als fraglich. So viel Zuneigung wie sie erhalten längst nicht alle Artgenossen. Anschauungsunterricht gibt es in den Reitschulen tagtäglich, wenn kleine und grosse Reitschüler sich um die Gunst ihres Lehrmeisters bemühen. Leckerli gab es in meiner Jugendzeit zwar noch nicht, aber etwas Brot oder eine gedörrte Birne hatte ich vor der Reitstunde bei mir, um die bildschöne, aber etwas nervige Anglo-Araberstute Missouri für mich zu gewinnen. Sollen Pferde sichere Reittiere sein, ist der Kontakt zum Menschen so wichtig wie zu Artgenossen.

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