Editorial: 03/16

Es ist viel Zeit zu investieren

Wissenschaftliche Studien
haben uns mit ihren Ergebnissen das Pferd in vielen Bereichen transparenter gemacht. Pferde sind für uns nicht mehr nur Tiere, die unseren Wünschen und Bedürfnissen zu genügen haben und selbst dann noch aufopfernd ihren Dienst verrichten, wenn sie wie einst im Krieg dem sicheren Tod entgegengehen.  Auch wenn, wie in dieser Ausgabe zu lesen ist, wieder vermehrt darüber nachgedacht wird, sie als alternative Arbeitskraft zu Motoren einzusetzen. Diese einst dominante Funktion werden sie nicht mehr einnehmen müssen.   

In neuem Blickwinkel
erscheint das Pferd nicht nur punkto Verwendung. Unsere in den vergangenen Jahren geänderte Einstellung gegenüber dem Pferd hat auch bei den Wissenschaftlern neue Forschungsgebiete entstehen lassen.  Wer hätte vor Jahren eine Studie anzustellen gewagt, ob Pferde unser Antlitz lesen können? Ausgerechnet bei Equiden, denen man in erster Linie eine hervorragende Weitsicht zuschrieb, weil frühes Erkennen von potenziellen Feinden wichtig fürs Überleben war! An der Universität von Sussex wurde nun aber kürzlich das Resultat einer Studie präsentiert, die zeigt, dass Pferde ein gutes Auge für die menschliche Mimik haben. Auf positive Gesichtsausdrücke haben die Versuchspferde kaum reagiert, auf wütende menschliche Antlitze dagegen mit einer erhöhten Herzfrequenz. 

Verstehen wir die Pferde besser,
macht das den Umgang mit ihnen einfacher. Über Nacht kommt das allerdings nicht, hinzuzulernen braucht seine Zeit. Eine neue Erkenntnis ist das nicht, sonst hätte Christoph Hess in seinem kürzlich herausgekommenen Buch «Besser Reiten» im Vorwort nicht geschrieben: «Um mit unserem Pferd harmonisch zu kommunizieren, müssen wir Reiter in unsere eigene Ausbildung sehr viel Zeit investieren.» Immerhin eine schöne Zeit – darin sind wir uns doch einig.

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