Von: Ines Rütten

Ferien: 03/16

In vollem Galopp durch die namibische Wüste

Die letzten Schritte zum Camp gehen die Reiter abends zu Fuss. Die Tagesetappen sind bis zu 60 Kilometer lang.

Mit Masken und Tüchern schützen die Reiter ihr Gesicht vor Sonne und Staub.

Rittführer Andrew Gillies und Wallach Commander geniessen die Mittagspause nach einem anstrengenden Abstieg in den Kuiseb-Canyon.

Was Koch Vincent mitten in der Wüste ohne Infrastruktur auf die Teller zauberte, war grossartig und hielt alle in bester Laune.

Wasser in der Wüste: In den Tümpeln des sonst trockenen Fluss- betts im Gaub-Canyon nehmen die Pferde gerne ein Bad.

Die seltenen Hartmann-Bergzebras beobachten die Wüstenreiter neugierig aus der Ferne.

Gut 300 Kilometer quer durch die Namib-Wüste führt eines der härtesten Trekkings der Welt. Die wahren Helden sind dabei die Pferde, die ihre Reiter zäh und fleissig durch Steppen, Schluchten und über Dünen tragen.

Der weisse Sand stiebt auf und die grauen Wellen brechen sich krachend am Strand von Swakopmund, als wir in vollem Galopp durch den Sand preschen. Sonnenstrahlen drücken durch die Wolken am Himmel, als ein Schwarm Flamingos auffliegt und über uns hinwegzieht. Die Pferde schnauben, die Korken knallen und Freudentränen steigen mir in die Augen. «Wir haben es alle geschafft», ruft jemand. «Wir haben es alle geschafft.» Alle Pferde und Reiter sind gesund zurückgekehrt.

Bei diesem letzten Galopp haben wir 300 Kilometer im Sattel hinter uns, 300 Kilometer sind wir quer durch die Namib-Wüste geritten. Gestartet sind wir acht Tage zuvor südöstlich von Swakopmund nahe den roten Dünen des Sossusvlei. Unsere Gruppe besteht aus zehn Reiterinnen und einem Reiter, der mit seiner Frau aus Südafrika angereist ist. Die Reiter kommen aus aller Welt, um das Trekking durch die Namib zu wagen – aus Australien, England, Südafrika oder Uganda. Begleitet werden wir von zwei Guides und einer sechsköpfigen Crew, die Gepäck und Verpflegung per Lastwagen und Geländefahrzeug transportiert.

Mit 16 Pferden unterwegs
16 Pferde begleiten die Gruppe dieses Mal durch die Wüste. Diejenigen, die nicht geritten werden, laufen frei mit. Insgesamt hält die Namibia Horse Safari Company, welche den Wüstenritt durchführt, über 90 Trekkingponys. Ein Pferd geht auf etwa drei Ritte pro Jahr. Den Rest der Zeit leben die Tiere in der grossen Herde draussen auf weitem Farmland und suchen sich ihr Futter dort selbst. Im namibischen Sommer haben sie frei. Erst zu Beginn des Jahres werden sie wieder trainiert und auf den Saisonstart im April vorbereitet.

Eines spüren wir schon beim ersten Galopp: Die Tiere sind topfit. Die ersten 15 Kilometer über Farmland sind zum Eingewöhnen. Jeder soll sich mit Pferd und Sattel vertraut machen, alles soll passen. Denn die nächsten 285 Kilometer, welche die Gruppe in nur acht Tagen zurücklegt, werden eine Herausforderung für Pferd und Reiter. Unsere Route führt zunächst noch über privates Farmland. In allen Gangarten gehts über weite Steppen. Immer wieder sichten wir Zebras und Antilopen. Den ersten Höhepunkt unserer Tour erleben wir, als uns eine Herde grauer Oryx-Antilopen ein Stück weit in vollem Galopp begleitet. 

Die Berge glühen in der Abendsonne, als wir die Pferde abends absatteln, sich wälzen lassen, bürsten. Die Beine schmerzen nach den ersten 30 Kilometern im Sattel, aber alle sind glücklich über die gelungene erste Etappe. Sind die Pferde versorgt, suchen wir uns mit unseren Feldbetten einen Platz für die Nacht unter freiem Himmel. Das Abendessen bereitet ­unser Koch Vincent Nyoni allein in der Glut des Lagerfeuers zu und es lässt keine Wünsche offen. Satt und müde sitzen wir anschliessend um das Feuer, erzählen uns Geschichten und Witze. 

Nachts fröstelt es mich, aber nicht nur wegen der Kälte, die sich über die Wüste legt. Noch nie habe ich ganz ohne Zelt einfach so in der Landschaft draussen geschlafen. In der Ferne höre ich Kojoten heulen und eine Gruppe Zebras trappelt vorbei. Sehen tut man nichts. Es ist stockfinster. Wirklich ausgeschlafen bin ich morgens nicht. Doch im Laufe der Tour merke ich, dass es eine Schande gewesen wäre, im Zelt zu schlafen. Die Wüstennächte haben einen ganz eigenen Zauber. Ich lausche den Wildtieren, betrachte heftige Blitze, welche die Steppe taghell erleuchten, sehe Sternschnuppen und spüre im Gesicht die Regentropfen, die eines Nachts unerwartet auf uns niederregnen. Die Angst, der Natur ohne Schutz ausgeliefert zu sein, verfliegt schnell.

Immer weiter dringen wir in den nächsten Tagen in die Namib ein. Die Etappen werden immer länger, bis zu 60 Kilometer reiten wir an einem Tag, eine Prüfung für unsere körperliche und mentale Fitness. Die Landschaft wird karg und steinig. Die Canyons wirken in der trockenen Wüste wie kleine Paradiese. Vögel sitzen in den ausladenden grünen Bäumen, Paviane hüpfen über die Felswände und beobachten uns beim Mittagessen. Der Aufstieg aus diesen Canyons ist hart. Ein «Moment der Freundschaft mit eurem Pferd», sagt Andrew. 200 Höhenmeter geht es steil die steinige Schluchtwand hinauf. Die Pferde klettern Bergziegen gleich, die Reiter schnaufen schwer.

Überall in der Wüste findet sich Leben und ihre Landschaften sind vielfältig. Gegen Ende der Tour wird die Landschaft Stück für Stück grüner. Wir sind in der sogenannten Nebelzone angekommen. Etwa 50 Kilometer weit wälzt sich hier jede Nacht der Nebel vom Meer her über die Wüste. Ein Naturschauspiel, das durch die starken Temperaturunterschiede entsteht. Auf unserer letzten Etappe nähern wir uns Stück für Stück wieder der Zivilisation. Von den roten Sanddünen her erblicken wir schon die Küstenstadt Swakopmund – unser Ziel. Dann der letzte Galopp am Strand entlang, Flamingos fliegen auf, Freudentränen steigen mir in die Augen. «Wir haben es geschafft. Wir haben es alle geschafft!»

Pferde sind die wahren Helden der Tour
Alles, was uns zu Beginn der Tour interessiert, sind natürlich die Pferde. Rittführer Andrew Gillies teilt sie den Reitern zu. Meines heisst Moringa, ein kleiner, dunkelbrauner Wallach. «Neben unseren Warmblütern auf der Farm sehen diese kleinen Trekkingponys manchmal schon ein bisschen schäbig aus», sagt Andrew und lacht. «Aber der Spirit dieser Tiere draussen in der Wüste fasziniert mich immer wieder. Es ist unglaublich, was diese Ponys leisten.» Und damit soll er recht behalten. Die Pferde sind die wahren Helden dieser Tour. Haflinger- und Warmblutkreuzungen sowie Araber gehören zu der bunten Herde. Und manchmal kann Andrew nur so viel sagen: «Es ist ein hundertprozentig reinrassiges Pferd.» Die Rasse sei ihm beim Kauf der Pferde nicht wichtig, sagt er. Vielmehr müssten die Tiere mutig sein, genügsam, trittsicher und freundlich zu Menschen.

Weitere Informationen
Pegasus, internationale Reiterreisen www.reiterreisen.com

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