Editorial: 1-2/16

Was das Herz begehrt

Ponys liessen sich
Mitte des letzten Jahrhunderts praktisch noch an einer Hand abzählen. Und auch Isländer fanden den Weg von der Insel in die Schweiz erst vor gut 50 Jahren. Heute liegen sie in der Jahresstatistik der Fohlengeburten weit vorne. Oder wer hätte sich je vorstellen können, dass in der Alpenrepublik einmal Curly Horses, Criollos oder Appaloosas gezüchtet würden? Über das Hippo-Geschäft sichern zwar nur noch wenige ihr Auskommen, viel Geld wird aber für dieses oder jenes Pferd locker gemacht, mit dem man glücklich zu werden hofft.

Der wachsende Pferdebestand
hängt stark mit dem immer bunter werdenden Rassenmix zusammen. Wer sich einmal für ein mächtiges Shirepferd entschieden hat, geht nie und nimmer auf dem traditionellen Markt auf Partnersuche. Für die einst marktbeherrschenden Zuchtverbände kommt diese Entwicklung einer Neupositionierung gleich – es werden zwar immer mehr Pferde gezählt, die Nachfrage nach ihren Produkten hingegen steigt nicht.

Der Freiberger als Urschweizer
oder «einzige echte Eidgenosse», wie er Ende der 1920er-Jahre von Bundesrat Scheurer gelobt wurde, profitiert von den sich wandelnden Bedürfnissen. Ist es nicht eine Freude, wenn das einstige kommune Arbeitspferd, das in der Armee den Unteroffizieren als Reittier diente, für die Offiziere aber zu wenig edel war, sich einer wachsenden Beliebtheit erfreuen darf und im weltumspannenden Web Fribi-Homepages aufgeschaltet werden? Pferdezucht wird nicht mehr von wirtschaftlichen Überlegungen geprägt, Reiten und Fahren allein vermögen das Hobby Pferd nicht auszufüllen. Was das Herz von Pferdefreunden begehrt, zeigt sich in der von grossen Sympathien für seine Rasse geprägten Zucht und wird immer stärker zum bestimmenden Faktor.

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