Von: Christoph Wegmann | Dr. med. vet. FVH Equidoc GmbH

Ratgeber: 1-2/16

Ist barfuss immer möglich?

Ich beabsichtige, mein Pferd in eine Gruppenhaltung zu geben. Dort wird verlangt, dass die Pferde keine Eisen mehr haben. Ist barfuss für Pferde immer möglich oder gibt es bestimmte Dinge zu beachten? Braucht es eine spezielle Vorbereitung? Zu erwähnen ist, dass meine Stute relativ dünne Sohlen hat. M. S. in V.

Ihr Pferd wird Ihnen für den Entschluss zur Gruppenhaltung danken. In diesem Dank eingeschlossen ist auch die Pensionsstallbesitzerin, welche – aus Erfahrung klug – verlangt, dass ihre Schutzbefohlenen bei dieser Haltungsart keine Eisen tragen dürfen.

Naturgemäss ist barfuss bei Pferden immer möglich; schliesslich waren es reine Steppentiere, wurden nicht geritten bzw. vom Menschen benutzt und kein Hufschmied war mit einer fahrbaren Schmitte auf Tour. Unter den heutigen Umständen sind sehr wohl einige bestimmte Dinge zu beachten. Die Pferde in Mitteleuropa und vor allem in der sehr eng besiedelten, mit viel Hartbelag bedachten und wenig freien zur Verfügung stehenden Wiesen und Weiden gesegneten Schweiz haben demzufolge zu früher nicht vergleichbare Lebens- und Arbeitsbedingungen. Realiter bleibt fürs uneingeschränkte Barfusslaufen lediglich die Ganzjahresweide – so sie denn zur Verfügung steht – als Lebensraum und für die Arbeit der Sandplatz oder die mit entsprechendem pferdehuffreundlichem Boden ausgelegte Reithalle zur Bewegung übrig. In den meisten anderen Fällen sind einige Dinge zu berücksichtigen und zu werten, vor allem werden Sie je nach Terrain und Dauer Ihrer Ausritte allenfalls Kompromisse eingehen müssen. Dies ist in vielen Fällen möglich, bedingt aber in jedem Fall, die Umstellung mit Sorgfalt und Bedacht anzugehen. 

Anlaufzeit von Monaten
Dass die Sohle ihrer Stute relativ dünn ist, bedingt, dass sie ihr eine sehr lange Anlaufzeit (Monate) geben sollten. Das heisst, dass der Übergang zum regelmässigen Reiten zuerst auf weichem bzw. huffreundlichem Boden stattfindet und der Aufbau zum Reiten im Gelände schrittweise erfolgen muss. Selbstredend ist für diese Phase das Gewicht an der unteren Grenze der Norm zu halten (Vermeiden einer Belastungsrehe!). Um die gefürchteten Sohlenlederhautentzündungen der Anfangsphase zu vermeiden, ist es möglich, in einer ersten Phase über kurze Zeit nichtsteroidale Entzündungshemmer in niedriger -Dosierung einzusetzen. Dafür müssen Sie sich aber unbedingt mit Ihrer Tierärztin absprechen. Die Fachfrau kann die Situation vor Ort am ihr bekannten Pferd einschätzen. Ganz entscheidend für ein Gelingen der Umstellung und vor allem für einen uneingeschränkten Gebrauch als Reitpferd nach der Umstellung sind die anatomischen Voraussetzungen Ihrer Stute. Diese sind durch Rasse und die bisherige Haltung bedingt, auch spielen Alter und individuelle Vorgaben eine grosse Rolle.

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