Editorial: 12/15

Mehr Wissen, mehr Verantwortung

Forschung am Pferd fand über Jahrzehnte hinweg kaum statt. Wer wollte sich denn noch mit einem Lebewesen wissenschaftliche Meriten holen, das den Rückzug aus unserer Mitte schon längstens angetreten hatte? Aber als der Motor den Vierbeiner links und rechts überholte, war seine bis dato das Weltgeschehen bestimmende Muskelkraft nicht mehr gefragt. Zum gänzlichen Abschied aus unserer Gesellschaft ist es nicht gekommen, statt PS boten sie uns ihre Partnerschaft an. Nicht von heute auf morgen, aber von Jahr zu Jahr wuchs ihre Anzahl und sie wurden für Forscher interessant.      

Unterschiedlicher als in diesem Heft kann die Lebenssituation der Pferde nicht dargestellt werden. Als «Pferdehölle» bezeichnet Ulrich Raulff in seinem Buch «Das letzte Jahrhundert der Pferde» die Situation vor 150 Jahren. Am Equiday wurden Varianten diskutiert, wie die Pferde in ihrem ungewollten Nichtstun bei überreichem Futter-angebot ihre Figur trotzdem behalten können. Was der Body-Mass-Index für uns ist, heisst Body Condition Scoring im Hippo-Bereich.  

Der Pferdewissenschaft sei Dank,  dass sie sich seit Jahren intensiv mit unserem jahrtausendealten Begleiter auseinandersetzt und uns mit neuen Ergebnissen beliefert, was Pferde tatsächlich sind und welche angeborenen Bedürfnisse sie haben. Für uns Menschen wird der Umgang mit ihnen damit nicht einfacher, lukrative Geschäfte mit Skandalfleisch oder Stutenblut für die Schweinemast sind vorbei. Das ständig wachsende Pferdewissen nimmt uns in die Pflicht. Vor allem auch, wenn einem bei der Verabschiedung nach einem Forschungstag die Botschaft auf den Weg mitgegeben wird, dass der Mensch in jeder Pferdehaltung der wichtigste Parameter ist und bleibt. Allerdings eine schöne Pflicht für alle, die Pferde lieben.

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