Von: Johanna Besier | Schweizer Nationalgestüt Agroscope

Ratgeber: 8/15

Welcher Zaun soll es denn sein?

Sichere Zäune bieten eine physische wie psychische Barriere.

Wie im Kavallo 6/2015 zu lesen war, sind weisse Pferdezäune im Kanton Zürich nicht mehr erlaubt. Ich dachte, weiss würde von den Pferden und Ponys am besten gesehen. Gibt es Untersuchungen, die aufzeigen, welcher Zaun für Pferde am besten geeignet ist? Holz, Kunststoff, mit oder ohne Elektroband?
A. B. in U.  

Es ist tatsächlich eine verbreitete An­nahme, dass weisse Zäune für Pferde besonders gut sichtbar sind und somit eine optimale Begrenzung für Pferde­weiden und Ausläufe darstellen. Die Forschung über das Sehvermögen der Pferde steckt jedoch noch in den Kinder­schuhen und kann dies nicht eindeutig bestätigen. Sicher ist, dass Pferde dichromatisch sind, das heisst, ihre Fähigkeit zum Farbsehen ähnelt etwa jener von Menschen, die teilweise farbenblind sind, also zum Beispiel unter einer Rot-Grün-Blindheit leiden.

In diversen Studien wurde festgestellt, dass Pferde kältere Farben wie Blau und Grün besser von Grau unterscheiden können als wärmere Farben, wie beispielsweise Rot. Es ist darüber hinaus bekannt, dass sie aufgrund hochsensibler Rezeptoren im Auge eine gute Nachtsicht besitzen. Schnelle Übergänge von hellen zu dunklen (oder dunklen zu hellen) Lichtverhältnissen bereiten ihnen hingegen Probleme. Das Auge kann sich nur langsam an diese Veränderung anpassen.

In Bezug auf die am besten geeignete Umzäunung von Pferdeweiden gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Resultate. Aber als wichtig wird festgehalten, dass Zäune gut sichtbar sind und möglichst sowohl eine physische als auch eine psychische Barriere bilden. Die spezifische Ausführung wird jedoch in Abhängigkeit davon gewählt, ob es sich um einen Festzaun oder eine mobile Einzäunung handelt. 

Eine physische Barriere ist gegeben, wenn Zäune massiv, verletzungssicher und von ausreichender Höhe sind. Für Kleinpferde empfehlen wir je nach Risikoeinschätzung eine Höhe zwischen 120 cm und 150 cm, für Grosspferde zwischen 140 cm und 180 cm. Die Farbe des Materials spielt hierbei eine untergeordnete Rolle. Holzzäune, kombiniert mit stromführenden Litzen, eignen sich besonders gut. Auch Kunststoff-, Metall- oder gar Gummigurtzäune sind möglich. Wichtig ist, dass sich der Zaun deutlich vom Hintergrund abhebt. 

Als psychische Barriere dienen stromführende Abtrennungen. Drohende Stromschläge halten die Tiere sehr verlässlich davon ab, sich zu nahe an den Zaun heranzuwagen oder sich gar dagegen zu lehnen. Wenn der Zaun nur aus stromführenden Bändern, Litzen oder Kordeln besteht, ist die gute Sichtbarkeit besonders wichtig. Aber auch hier ist die Farbe des Materials weniger ausschlaggebend als dessen gute Ausführung und Funktionstauglichkeit. Entsprechend tut der Pferdehalter gut daran, den Zaun optimal instand zu halten und regelmässig auf Schäden zu überprüfen.

Weitere Infos 
www.agroscope.admin.ch/haras/index.html?lang=de 

 

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