Von: Hans-Ueli Früh

FIORENTINO: 6/15

Mit Lernwillen und Ehrgeiz

Kopf an Kopf – auch das will trainiert sein. Und Partner war Black Shine, der eben erst Zweiter in Lyon geworden war.

Fiorentino zeigt Lernwillen und lässt auch einigen Ehrgeiz erkennen. Und vermittelt das Gefühl, seine neue Aufgabe im Rennstall mache er ganz und gar nicht ungern. Auch im Umgang wie beim Beschlagen zeigt er sich gelassen.

Wie verhält sich eigentlich Fiorentino beim Beschlagen?», fragte ich den Hufschmied Martin Portner mal so nebenbei an einem Renntag in Avenches. Alleine könne er das noch nicht machen, meinte er verschmitzt lächelnd und lud mich ein, beim nächsten Beschlag einmal zu sehen, was das alles bedeutet. Schon allein Martin Portners Auto ist bemerkenswert: Eine gut eingerichtete mobile Schmiedewerkstatt mit allem Drum und Dran, ausgeklügelt bis ins letzte Detail. Stallgehilfin und Trainingsreiterin Janique holte Fiorentino aus seiner Box, band ihn aber nur auf einer Seite an, dafür beschäftigte sie ihn während der ganzen Prozedur mit Worten und Streicheln.

Zuerst nahm der Hufschmied die ungefähr sieben Wochen alten Aluminiumeisen ab. Darauf brachte er den hellen Huf mit Schleifen und Knipsen in die richtige Form. Fiorentino besitzt vier helle Hufe, die nach der Behandlung noch heller leuchteten – eigentlich fast schade, wenn sie wieder schmutzig werden ... Entweder klemmte der Hufschmied zwischen seinen Beinen das Pferdebein fest oder er stellte es auf einen Ständer. Bei Martin Portner sitzt jeder Handgriff, dank seinem Augenmass muss er kaum einmal nachmessen.

Mittlerweile bereitete Martin Portner die neuen Eisen vor, die aus Aluminium sind. Dieses Material ist für Rennpferde geeignet, da der Gewichtsunterschied zu Eisen bis zu 4 x 200 g betragen kann. Aufgrund der abgenutzten Hufeisen kann der Hufschmied erkennen, welche Seite das Pferd mehr belastet, und dem Trainer Tipps geben. Die Aluminiumeisen müssen auch nicht heiss gemacht werden, der Hufschmied vermag sie mit dem Hammer kalt in die richtige Form zu bringen.

Fiorentino verhielt sich während des Beschlagens recht brav – nur zweimal hob er zusätzlich ein zweites Bein, um seinen Unmut kundzutun. Nach den beiden vorderen Hufeisen war schon Schluss! «Das war genug Stress für Fiorentino wie für die Stallgehilfin», meinte Martin Portner, «die hinteren kommen nächste Woche dran.» Nun weiss mein Enkel, dass «beschlagen» nicht «schlagen» heisst. Stolz nahm er die beiden Eisen mit nach Hause – jetzt müssen sie nur noch ihre zweite Funktion erfüllen: Glück bringen!

Zum ersten Mal auf Turf
Fiorentinos Renntraining schreitet stetig fort. Letzthin war es eine Arbeit Kopf an Kopf mit Black Shine, immerhin erst kürzlich guter Zweiter in Lyon gewesen! Das sah also schon recht gut aus! Nie kam das Gefühl auf, er mache das ungern. Sein Reiter Tim Bürgin attestiert ihm auf jeden Fall viel Willen, einigen Ehrgeiz und Lernwillen. Mit jeder guten Trainingswoche steigt im Scala Racing Club auch das Hoffen auf einen baldigen, erfolgreichen Einstieg ins Rennbusiness. Anfang Mai durfte Fiorentino ein erstes Mal auf den Turf der richtigen Rennbahn und es schien ihm bestens zu gefallen – uns auch!

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