Editorial: 5/15

Von frommen und starken Händen

Was Hände alles anrichten mit dem empfindlichsten Körperteil des Pferdes, bringt dem Pferd wohlgesinnte Ausbildner seit Generationen in Rage. Am krassesten drückte sich wohl Paul Weiers Mutter Maria aus, Schweizer Meisterin Dressur im Jahre 1952: «90 Prozent der Reiter müsste man die Hände abhacken, dann würden die Pferde schöner gehen.» Ganz unmilitärisch weich liest sich demgegenüber ein Artikel des Obersten Alexander Fritz Unger aus Wien, der sich 1933 im «Schweizer Kavallerist» von den Reitern lediglich «fromme Hände» wünschte und den Aufruf proklamierte: «Mensch, ‹zieh› nicht!»

Das Ziehen am Pferdemaul prangerte auch Professor Hans Wyss, oberster Tierschützer der Nation, anlässlich der SVPS-Versammlung bezüglich Rollkur an: «Es gibt keinen Grund, ein Pferd zehn Minuten lang in diese Haltung zu zwingen.» Ethische Gründe führten bei Wyss zu dieser Aussage, Oberst Ungers Mahnung entstand aus reiterlicher Sicht: «Die grösste Kunst der Hände liegt im Mitgehen und nicht so sehr im Begrenzen der Bewegung, wenn man zu Leistungen gelangen will. Die Hände sind beim Reiten eben alles.»

Keine frommen, aber starken Hände sind indessen beim Dachverband SVPS spätestens seit dem Referat von Hans Wyss nötig. Denn alle, die es hören wollten, wurden Mitwisser, wie an einem offiziellen Training des Springreiternachwuchses in gröbster Weise das gültige Reglement missachtet und eine Hindernisreihe in verbotener Richtung gesprungen wurde. Wenn der Applaus nach dem Vortrag ehrlich gemeint war, wird der SVPS wohl nicht darum herumkommen, aktiv zu werden. Schliesslich hat er sich im laufenden Jahr explizit der Ausbildung verschrieben: «Eine der Kernaufgaben des SVPS ist die Ausbildung der Pferdesportler und der Offiziellen.» der Applaus nach dem Vortrag ehrlich gemeint war, wird der SVPS wohl nicht darum herumkommen, aktiv zu werden. Schliesslich hat er sich im laufenden Jahr explizit der Ausbildung verschrieben: Eine der Kernaufgaben des SVPS ist die Ausbildung der Pferdesportler und der Offiziellen.

Thomas Frei
Chefredaktor

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