Editorial: 11/14

Nicht nur mit dem Hintern reiten

Zwei Meldungen zu wissenschaftli-chen Untersuchungen sind in dieser Ausgabe für uns von besonderer Bedeutung. Zum einen handelt es sich ums Aufsitzen aufs Pferd, zum andern um das Verhalten des Pferdes beim Reiten unter dem Menschen. Die eine Studie stammt aus England, die andere aus Wien. Wichtig sind sie für uns vor allem deshalb, weil von uns doch alle mit den Pferden etwas unternehmen wollen und bestrebt sind, ihnen im Umgang mit uns Freude zu bereiten.

Ob Weiblein oder Männlein ist den Pferden einerlei. Die Wiener Studie jeden-falls konnte keine erhöhten Stresssym-ptome feststellen, wenn ein Mann oder eine Frau den Parcours absolvierte. Auch das Aufsitzen erfolgt geschlechtsneut-ral. Am angenehmsten fürs Pferd ist es, wenn man sich nicht vom Boden aus, sondern von erhöhter Standfläche in den Sattel gleiten lässt. Pferde nehmen uns offenbar zuerst als Mensch war und reagieren erst später. Wie heisst es doch: «Zeige mir dein Pferd, und ich sage, wer du bist!»

Forschungsergebnisse sind allerdings nicht immer so einfach umzusetzen. Ein Beispiel dafür ist die Rollkur, die seit dem 1. Januar dieses Jahres explizit verboten ist und als Verstoss gegen das Tierschutzgesetz geahndet werden kann. Doch was auf dem Papier steht und auf allen Ebenen diskutiert wird, sieht im Alltag anders aus! Und auf die Frage einer Leserin, wie denn in solchen Fällen vorzugehen sei, kann selbst unser Rechtsanwalt keinen Leitfaden liefern – zu gross sind die Unsicherheiten.

Den Ernst der Lage erkennen fordert von ihren Mitgliedern ZKV-Präsidentin Eva Gygax Künzli. Sie spricht dabei die schwindende Akzeptanz des Pferdesports in der Gesellschaft an. Ihre Aufforderung müssen wir alle beherzigen, wollen wir das «Glück der Erde» weiterhin unbeschwert erleben.

Thomas Frei
Chefredaktor

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