Editorial: 12/14

Der Pferdemarkt ist keine Wissenschaft

Die Kunst, mit Pferden umzugehen, ist keine abstrakte Wissenschaft. Das ist schon eher eine Gefühlssache, die wenig mit nackten Zahlen anfangen kann. Und die wohl auch die Ursache dafür ist, dass sich der nach dem Zweiten Weltkrieg einsetzende Rückgang in der helvetischen Hippo-Population in den Sechzigerjahren stoppen liess. Nein, der Abwärtstrend liess sich sogar umkehren. Mit dem Resultat, dass wir heute in der Schweiz gut 100 000 Pferde in einer nie gekannten Rassenvielfalt haben. Bei steigender Tendenz.

Ganz ohne Zahlen lässt sich die Schweizer Pferdebranche dennoch nicht betreiben. Pferdewissenschaftler und Verwaltung kommen ohne Daten und Statistiken nicht aus. Vor allem, wenn es um die einheimische Pferdezucht geht, die von der steigenden Equidenpopulation nicht profitiert und massive Rückgänge bei den Fohlengeburten hinnehmen muss. Rein rechnerisch betrachtet unverständlich. Denn um einen Bestand von 100 000 Pferden mit Durchschnittsalter 11,7 Jahre zu erhalten, rechnete Stefan Rieder, Forschungsleiter im Nationalgestüt Avenches, kürzlich vor, müssten pro Jahr 10 000 neue Pferde hinzukommen.

Dass es nicht an Nachfrage fehlt, zeigt ebenso die von der Eidgenössischen Zollverwaltung am 6. Oktober 2014 publizierte Meldung: «Achtung: Das Pferdekontingent 2014 ist ausgeschöpft.» Dabei waren das lediglich 3822 der für die Sicherung des Bestandes benötigten 10 000 Pferde. Gut 6000 Pferde, Ponys und Esel müssten also noch zur grossen Pferdeherde stossen, soll sie sich nicht verkleinern. Die Gründe müssen woanders liegen, dass bei diesem Defizit Freiberger und CH-Sportpferde nicht schon als Fohlen aus den Ställen gezerrt werden. Doch über den Kopf allein lässt sich der Markt für Pferde nicht ausloten, Pferdekauf bleibt für die meisten eine Herzensangelegenheit.

Thomas Frei
Chefredaktor

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