Von: Heinrich Schaufelberger

Thema: 11/14

Als Equus Helveticus gelten sie alle, die besten CH-Sportpferde und Freiberger, die sich für die Herbstfinals auf dem Iena-Gelände und im Nationalgestüt Avenches qualifizieren konnten. Aus Anlass des 15-jährigen Bestehens des Institut Equestre National Avenches (IENA) kam es zum gemeinsamen Schauprogramm.

Als Equus Helveticus gelten sie alle, die besten CH-Sportpferde und Freiberger, die sich für die Herbstfinals auf dem Iena-Gelände und im Nationalgestüt Avenches qualifizieren konnten. Aus Anlass des 15-jährigen Bestehens des Institut Equestre National Avenches (IENA) kam es zum gemeinsamen Schauprogramm. 

Als Schweizer Meisterschaft deklarieren die Sportpferdezüchter ihre jährlichen Finalprüfungen Springen und Dressur im Herbst, als National FM bezeichnen die Freibergerzüchter ihre nationalen Wettbewerbe, die – der vielseitigen Veranlagung des Freibergers entsprechend – von Fahren, Dressur, Springen, Western über Gymkhana bis hin zu Holzrücken und Zugprüfungen reichen. Doch eigentlich geht es ums Gleiche: ein Schaufenster für die besten Pferde zu öffnen. Das beginnt schon bei den Fohlen, wo bei den Sportfpferden eine grössere Beteiligung festzustellen war, während bei den Sportprüfungen den rückläufigen Zahlen gemäss weniger Pferde am Start waren.

Sportpferde wieder vereint
An den vom 19. bis 21. September ausgetragenen Equus Helveticus kamen sie wohl am gleichen Ort zusammen, genbedingt gingen Freiberger und Sportpferde dennoch ihre eigenen Wege. Positiv zu vermerken war dieses Jahr jedoch, dass der Zuchtverband CH-Sportpferde (ZVCH) auch die beim Konkurrenzverband Cheval Suisse eingetragenen Pferde wieder starten liess. «Wir haben nun viele Schritte in Richtung Cheval Suisse gemacht», fasst ZVCH-Präsident Michel Dahn die Situation zusammen, «wir sind weiterhin offen, erwarten nun aber eine Reaktion von dieser Seite.» Diese ist schon während des Anlasses gekommen, am ZVCH-Apéro zu sehen war auch Cheval-Suisse-Präsident Michel Pellaux.

Mit der Annäherung der beiden Verbände sind die Probleme der Schweizer Sportpferdezucht noch nicht gelöst. Gespannt wartet man beispielsweise auf das Budget 2015 der Eidgenössischen Finanzverwaltung, das Einsparungen von 700 Millionen Franken vorsieht. Sollte es zu den Einsparungen kommen, müsste die Warmblutzucht künftig wohl ohne staatliche Hilfe auskommen. Und auch der Verband Schweizerischer Pferdezuchtorganisationen hat für seine Weiterbildung Anfang November in Bern das Thema «Gemeinsam sind wir stark» gewählt.

Die Finanzen sind für den ZVCH aber nur ein Problem. Belastend ist ebenso Avenches als Austragungsort für die Schweizer Meisterschaft. Für Präsident Michel Dahn sind diesbezüglich viele Fragen offen. Andere Austragungsorte werden auf jeden Fall geprüft, nicht zuletzt deshalb, weil auch die IENA-Verwaltung sich fürs Jahr 2015 noch nicht festgelegt hat. Reizvoll wäre der Gedanke jedenfalls, die CH-Sportpferdeplattform wür-de durchs Land gereicht. Mit der traditionellen Prämienzuchtstutenschau wird kommendes Jahr bereits ein Schritt in diese Richtung unternommen, findet sie doch erstmals in Frauenfeld statt. Zumal die Swiss Breed Classic am 22. November schon zum zweiten Mal «extern» in Bern abgehalten wird und sich nach den Worten von Dahn durchaus auch anderswo in der Schweiz austragen liesse.

Visitenkarte für CH-Sportpferde
Die diesjährige Schweizer Meisterschaft der CH-Sportpferde war eine beeindruckende Visitenkarte der CH-Sportpferdezucht. Ideales Herbstwetter und damit auch gute Bedingungen begünstigten den Anlass in jeder Hinsicht. Das Publikum kam in Scharen, und insbesondere am Sonntag konnten die Pferde bei bester Stimmung in den finalen Prüfungen präsentiert werden.

Bei den vierjährigen Springpferden bot sich bei etwas geringerer Beteiligung prozentual etwa das gleiche Bild wie letztes Jahr, indem acht Paare in allen drei Umgängen fehlerfrei blieben und weitere 13 dieser jungen Pferde die schwere Aufgabe mit nur je vier Punkten meisterten. Die Mehrheit der Pferde war gut vorbereitet und wurde auch umsichtig dem Alter entsprechend geritten. Die Kräfte richtig einzuteilen, erfordert, auch wenn nicht auf Tempo geritten werden muss, auf einem derart grossen Platz viel Gefühl und gute Übersicht von den Reitern, um Überforderung so junger, noch wenig erfahrener Pferde zu vermeiden. Diesbezüglich und punkto Qualität der Pferde entstand über weite Teile ein guter Eindruck.

Bei den fünf- und sechsjährigen Springpferden wurde die umfassende Herausforderung noch augenfälliger durch den Einschluss des Zeitfaktors. So schafften bei den Sechsjährigen zwar drei die grosse Leistung, ohne Hindernisfehler über drei Runden zu kommen. Einzig 0,5 Punkte für Zeitüberschreitung verhinderten die Teilnahme des dritten Paares am entscheidenden Stechen, das dann mit
je vier Punkten beider Paare seinen Abschluss fand. Auch bei den fünfjährigen Pferden blieb einem Paar die Teilnahme im Stechen einzig aus Zeitgründen verwehrt. Die äusserst span-nende Endausmarchung zwischen fünf Paaren forderte ihren Tribut bei allen. Begeistert gefeiert wurde schliesslich mit Chiquitita N CH ein Siegerpferd, das von seiner Züchterin und Besitzerin Nadine Herrmann souverän vorgestellt worden war.

Seit der Verkürzung der SM CH-Sportpferde von vier auf drei Tage wird jeweils am Samstag in der Kategorie Superpromotion nur noch eine gemischte (Youngster und Ältere) Einlaufprüfung durchgeführt, die nicht zur Wertung zählt. Die Teilnahme ist freiwillig. Diese Prüfung ist eine gute Vorbereitung, wird von den Reitern geschätzt und vom Publikum als attraktiver Vorgeschmack auf die Finals vom Sonntag wahrgenommen. Auch dieses Jahr war die Stimmung in den beiden Finalprüfungen grossartig. Sowohl bei den Youngstern als auch bei der Elite kam es zu Siegerrunden, die an Spannung nichts zu wünschen übrig liessen. Dafür besorgt waren versierte Profis wie Niklaus Schurtenberger, Walter Gabathuler, Barbara Schnieper, um nur einige zu nennen, mit bestens vorbereiteten Pferden. Nicht zu vergessen ist die während der ganzen Veranstaltung äusserst gekonnte Arbeit des Parcoursbauer-Teams, der verantwortungsvollen Aufgabe verpflichtet, die Qualität der Pferde auf attraktive, jedoch faire Weise in den Fokus zu stellen.

Dressur
Das auch am Dressurviereck zahlreich aufmarschierte Publikum profitierte von der lehrreichen Kommentierung des deutschen Richters Dieter Schüle. Er verstand es ausgezeichnet, mit wenigen Worten viel zu sagen, doch nie in abwertender Weise. Insbesondere bei den vier- und den fünfjährigen Pferden war der Kommentar zu den einzelnen Noten mit wertvollen Hinweisen verbunden, die wohl die Grenzen des Pferdes aufzeigten, jedoch in erster Linie vorhandenes Potenzial bei richtiger Unterstützung und Förderung ins richtige Licht rückten. Deutliches Lob brachte er immer wieder zum Ausdruck für Pferde, die gelöst und vertrauensvoll ihre Aufgaben meisterten. Im Grunde wurden so die Benotung durch das Richtergremium und die Kommentierung auch zu einem Plädoyer für sorgsame, gefühlvolle Pflege grosser züchterischer Leistungen. Einer der Höhepunkte war gewiss der absolut überzeugende, faszinierende Auftritt der Prämienzuchtstutensiegerin und letztjährigen Meisterin Show Girl CH mit Melanie Hofmann im Sattel. Auch die Präsentation des sechsjährigen, an Meisterehren bereits gewöhnten Delioh von Buchmatt CH durch die gleiche Reiterin gehörte zu den Glanzstücken der diesjährigen Meisterschaft. Mit seiner feinen Reitweise brachte Philipp Hess die siebenjährige Miss Miola de Lully CH in der Superpromotion M zu Meisterehren und mit der letztjährigen Siegerin dieser Kategorie, der nunmehr achtjährigen Ruwina CH, war er auch favorisiert in der leider mit drei Teilnehmern sehr kleinen Gruppe in der höchsten Kategorie. Ein kleines reglementarisches Versehen des Reiters führte dann aber zur Disqualifikation nach der ersten Wertungsprüfung, was ihn jedoch nicht daran hinderte, mit der dunkelbraunen Stute doch noch eine sehr ansprechende Kür zu zeigen. Der letztjährige Meister der Sechsjährigen, Fürstentraum CH, aufgrund bereits erreichter Klassierungen mit Gilles Ngovan im Sattel diesmal in der obersten Klasse antretend, kam trotz zweitbester Kür zu einem weiteren Sieg.

Auf die Schweizer Meisterschaft CH-Sportpferde 2014 darf gesamthaft mit gutem Gefühl zurückgeblickt werden. Gut eingespielte, versierte Teams in allen Bereichen und damit auch reibungslose Abläufe, Wetterglück, ein fantastisches Publikum und vor allem über weite Teile vorzüglich präsentierte, qualitätsvolle CH-Sportpferde führten zu absolut positivem Gesamteindruck.  

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