Von: Thomas Frei

Dossier: 1-2/15

Das beste Futter gibt es nicht

Viel Wissen um das Pferd ist in den letzten Jahren generiert worden. Neuste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Fütterung haben aufgezeigt: Das beste Futter gibt es nicht und die Physiologie des Pferdes lässt sich nicht umdrehen. 

Dass die Gesundheit der Pferde vielen Besitzerinnen und Besitzern ein grosses Anliegen ist, zeigte der Andrang zum Seminar «Pferdefütterung – heute», zu welchem der Verein Forschung für das Pferd ins Tierspital Zürich eingeladen hatte. Wer ein gesundes Pferd im Stall haben will, muss auf art- und bedarfsgerechte Futtermittel achten, weil sich die Physiologie des Pferdes nicht umdrehen lässt. Viel neues Wissen ist in den vergangenen Jahren rund um die Fütterung gewonnen worden, wobei starke Beachtung den veränderten Bedingungen bezüglich Haltung und Nutzung geschenkt wurde. Ebenso verlangt die grosse Rassenvielfalt ein indviduell angepasstes Fütterungsmanagement. PD Dr. Brigitta Wichert vom Institut für Tierernährung an der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich gab deshalb unmissverständlich den Anwesenden zu verstehen: «Das beste Pferdefutter gibt es nicht!»

Was pferdegemässes Futter ist
Wohl gibt es für Brigitta Wichert kein «bestes» Pferdefutter, ausführlich legte sie dafür dar, was pferdegemässes Futter ist. So ist für eine artgerechte und damit gesunde Pferdefütterung eine ausreichende Versorgung mit kaufähigem Raufutter unabdingbar. Als Grundregel gilt: 1 kg Heu oder eine auf die getrocknete Masse bezogene gleichwertige Menge an Grünfutter, Silage oder Haylage pro 100 kg Körpergewicht des Pferdes muss mindestens gefüttert werden. Zudem ist darauf zu achten, dass das Raufutter langfaserig und kaufähig ist. Eine solche Struktur beschäftigt die Pferde ausreichend lange, befriedigt das Kaubedürfnis und führt zu einer guten Durchfeuchtung des Futterbreis, was die nötigen Voraussetzungen für einen optimalen Verdauungsvorgang im Dünn- und Dickdarm schafft. Emd (2. Schnitt) empfiehlt Brigitta Wichert für Fohlen und alte Pferde, Öko-Heu beurteilt sie als ungeeignet. Für Pferde mit Bewegung kann täglich 1 kg Stroh pro 100 kg Körpergewicht angeboten werden; am besten unter das Heu gemengt, was die Fressdauer stark verlängert.

Von den Kraftfutterarten sind für die Fütterungsspezialistin Hafer, Gerste und Mais am besten geeignet, wobei Gerste gequetscht und Mais geschrotet sein sollten. Welche Getreidesorte für welche Gesamtration und welche sportliche Nutzung am besten geeignet ist, muss für den Einzelfall entschieden werden. Schwierig wird nach Wichert oftmals die Auswahl eines Mischfutters, denn wenn darin mehr als 20 verschiedene Komponenten aufgeführt würden, sei die Zusammensetzung kaum auf die Bedürfnisse der Pferde ausgerichtet. Am wichtigsten beim Kraftfutter ist jedoch, dass die Menge pro Mahlzeit nie 0,5 kg pro 100 kg Körpergewicht überschreitet.

Kein Verzicht auf Mineralstoffe
Was für ein Pferd auch immer, die Fütterung muss stets auf dem Raufutter basieren. Nicht verzichten lässt sich hingegen auf die Zugabe von Mineralstoffen. Mangelerscheinungen aufgrund einer Unterversorgung treten erst sehr spät auf, sodass in dieser Hinsicht früh genug vorzusorgen ist. Speziell wies Brigitta Wichert darauf hin, dass – sofern kein Salzleckstein zur Verfügung steht – in allen Rationen zu wenig Natrium vorhanden ist. Viehsalz kann unter das Futter gemischt werden, besser aber ist, Pferde gleich nach einer schweisstreibenden Arbeit damit zu versorgen. Weil oft nur ungenaue Kenntnisse über die tatsächlichen Gehalte an Mineralien (Mengen- und Spurenelemente) in Mischfuttermitteln vorhanden sind, ist eine zusätzliche Gabe zu empfehlen: Decken die zugeführten Mineralien ca. 50 Prozent der empfohlenen Tagesdosis, kann nach Wichert davon ausgegangen werden, dass Pferde nicht an einem Mangel leiden.

Nebst einer Mindestmenge an Raufutter ist die zeitliche Verabreichung des Futterangebots eine wichtige Gesundheitsvorlage für Pferde. Es ist deshalb eine gleichmässige Verteilung der Futtergaben über den ganzen Tag anzustreben: «Über zwölf Stunden pro Tag verteilt gilt als ideal.» Wichtig ist zudem, dass bei einer kombinierten Fütterung von Raufutter und Kraftfutter stets das Raufutter zuerst verabreicht wird.

Konzentrierte sich Brigitta Wichert am Fütterungsseminar auf die alltägliche Fütterung, referierten Dr. med. vet. Daria Stöcker über «Dopingfalle Fütterung» und med. vet. Melanie Schön über «Zusatzfuttermittel beim Pferd – sinnvoll oder gefährlich?». Zwei hochaktuelle Beiträge in unserer Zeit, wo vermehrt Hilfe aus der Natur gesucht wird, die Wirkungen verschiedener Stoffe jedoch häufig schlecht untersucht sind oder gar, wie Melanie Schön bemerkte, beim einen Pferd eine Wirkung zeigen, beim anderen hingegen nicht. Dass dies auch eine Falle sein kann, führte Daria Stöcker vor Augen. Denn was mit Heilpflanzen umgangen werden soll, sprich Dopingbestimmungen, findet sich oft auf den einschlägigen Listen, sodass genaue Kenntnisse über Teufelskralle, Baldrian oder Weidenrinde vorhanden sein müssen. Ausführlich über diese beiden Themen wird der Kavallo in einem nächsten Beitrag eingehen.     

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