Editorial: 1-2/15

Was gesetzlich nicht umschrieben ist

Als das Tierschutzgesetz vor 40 Jahren geschrieben wurde, wurde das Pferd vergessen. Besser gegangen als heute ist es ihm zwar nicht. An der Anbindehaltung hatten sich zu jener Zeit nur wenige gestört. Und wenn man über Land fuhr, drehte man den Kopf noch nach fressenden Pferden auf der Weide um. Pferdeweiden sind heute keine Seltenheit mehr. Dafür sieht sich der Staat hier und dort veranlasst, entsprechende Vorschriften zu erlassen, welche Farbe und Höhe ein Paddock haben darf. Dass die Pferde damals vergessen wurden, lag einzig und allein daran, dass es ihnen im Vergleich mit anderen Haustieren extrem gut ging.

Im Gesetz sind Equiden nun explizit aufgeführt und geniessen umfassenden Schutz, die Haltung eingeschlossen. Doch noch bevor gesetzliche Vorlagen wissenschaftlich erforschtes Wohlbefinden zentimetergenau festlegten, hatten sich die Bedingungen für die Einhufer rasch verbessert. Besitzerinnen und Besitzer entschieden sich für Aufstallungen, die den angeborenen Bedürfnissen entgegenkamen und höheren Hippokomfort boten.

Doch welche Haltungsform wir auch wählen, ganz unproblematisch ist keine, wie das Dossier in dieser Ausgabe vor Augen führt. Vor allem kommt dabei zum Ausdruck, welche wichtige Rolle der für das Stallmanagement verantwortliche Mensch einnimmt. Selbst eindeutige Gesetze garantieren keinen sorglosen Equidenalltag, wird die Haltung allein nach Vorschrift und nicht nach den indivduellen Bedürfnissen betrieben. Als Besitzer liegt es allerdings in meinem ureigensten Interesse, mein Pferd gut aufgehoben zu wissen. Wir verwenden für unser Hobby schliesslich keine in Halbfreiheit lebenden Zootiere, wir setzen auf Partner, deren Zuverlässigkeit auf dem täglichen Umgang mit uns basiert – die Betreuung im Stall ist dafür ganz wesentlich.

Thomas Frei
Chefredaktor

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