Von: Thomas Frei

Thema: 3/15

Wie viele Fohlen braucht das Land?

Könnten unsere Züchter die jährlichen Einfuhrkontingente als Richtwert für die Nachfrage nehmen, müssten sie sich um den Absatz keine Sorgen machen. Doch was gezüchtet wird, ist nicht immer gefragt. Eine immer bunter werdende Rassenpalette verlangt deshalb eine immer subtilere Planung.

Decken lassen – ja oder nein? Ein Entscheid, den Züchterinnen und Züchter in den nächsten Wochen treffen müssen, auch wenn er sich erst in den nächsten Jahren auswirken wird. Pferdezucht ist eben kein schnelles Geschäft, wer sich mit Pferden abgibt, denkt in Jahren. Wunschfohlen sind sie zwar alle, die nächstes Jahr auf den Weiden herumtollen. Ob sie sich dann auch nach unseren Wünschen entwickeln, lässt sich auf keinem Hochglanzprospekt ablesen. Umso sorgfältiger muss die Planung ablaufen. Denn würde allein auf die Nachfrage abgestellt, kämen alle Stutenbesitzer zu einem positiven Entscheid. An der Nachfrage nach Pferden und Ponys fehlt es bei uns nicht: Die bewilligten Einfuhrkontingente für 3822 Equiden waren vergangenes Jahr schon Anfang Oktober restlos ausgeschöpft. Nicht sehr weit von der Zahl in der Schweiz geborener Fohlen entfernt. Denn die nationale Pferderegistrierungsstelle Identitas weist für das vergangene Jahr 4216 Fohlenregistrierungen auf, fast 800 Fohlen wurden allerdings noch im selben Jahr geschlachtet.

Doch auch wenn die Pferdezucht vorwiegend von einer passionierten Züchterschaft getragen wird, florieren kann sie nur, wenn der Markt vorhanden ist. Neu ist das nicht. Das wusste vor bald fünfzig Jahren schon Pater Albert Huber, der für die seit 1064 bestehende Pferdezucht im Kloster Einsiedeln verantwortlich war. Er verfolgte die Entwicklungen im schweizerischen Pferdewesen genau und hielt anlässlich einer 1968 durchgeführten Tagung in Solothurn zur Zukunft des Pferdes in der Schweiz fest: «Das gibt den Typ, den unsere Landwirtschaftsschüler, besonders auch die Mädchen und die jungen Damen, wünschen, damit sie durch das Reiten schlank bleiben.» Doch wenn Huber 45 Jahre später einen Blick auf die bei Identitas aufgeführten Rassen werfen würde, müsste er zur Kenntnis nehmen, dass es den «gewünschten Typ» in dieser Form nicht mehr gibt. Selbst die 14 verschiedenen beim Bund registrierten Zuchtorganisationen decken nur noch einen bescheidenen Teil des helvetischen Rassenspektrums ab. Nicht weniger aktiv sind Verbände, die jenseits der Grenze domiziliert sind und von dort aus ihre Aktivitäten auch den Züchtern hierzulande anbieten. Das mag zwar die Vielfalt fördern und den Kundenkreis erweitern, eine erfolgreiche Positionierung allerdings erleichtert es nicht.   

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