Von: Christoph Wegmann | Dr. med. vet. FVH Equidoc GmbH

Tierarzt: 1-2/18

Wie Nesselfieber vorbeugen?

Eine Allergie löst die Quaddeln auf der Pferdehaut aus. Was allerdings die Allergie auslöst, ist vielfach unbekannt. Foto: kav

Zum Bericht betreffend Nesselfieber beim Pferd! Leider habe ich auch einen solchen Patienten, der durch Kälteempfindlichkeit, Wind oder Nässe Nesselfieber bekommt. Wollte gerne anfragen, ob Sie einen Tipp hätten oder einen ähnlichen Fall haben, so dass man ein wenig Erfahrungen austauschen könnte. Habe mein Pferd in der Behandlung bei einer Homöopathin/Tierärztin, die das Nesselfieber jeweils wieder in den Griff kriegt! Da bin ich sehr froh. Nur: Wie kann ich vorbeugen? Da rätsle ich immer noch rum! I.J.

Das Problem Nesselfieber (auch unter «Urticaria» beziehungsweise «Nesselsucht» beschrieben) ist ein bei Pferden häufig diagnostizierter Befund beziehungsweise Diagnose. Einen direkten, bewiesenen Zusammenhang mit Kälteempfindlichkeit, Nässe und/oder Wind ist mir während meiner Tätigkeit weder in der Praxis noch in der Klinik dergestalt vorgestellt worden.

Allergie als Auslöser
Erstaunlich ist das nicht, denn es gibt fast unzählige Ursachen, welche zu einem Nesselfieber führen können. Deshalb wird die Ursache dieser Allergie (und darum handelt es sich) auch längst nicht in allen Fällen erkannt, selbst wenn viele der möglichen weiteren Abklärungen und Spezial­untersuchungen vorgenommen wurden. Auf einen Nenner gebracht heisst das: Nesselfieber ist ein Symptom (Anzeichen einer Krankheit), welches viele (allergische) Ursachen haben kann. Diese jeweils mit absoluter Sicherheit beweisend zu bestimmen, ist nicht in allen Fällen möglich. Dementsprechend ist natürlich auch die jeweils angewandte Therapie: Reagiert Ihr Pferd auf Änderungen von Fütterungsprodukten, dann bleibt Ihnen zur Vorbeugung (Prophylaxe) nachvollziehbar als erfolgversprechendste Möglichkeit, die Verabreichung des betreffenden Produktes oder der Produkte möglichst zu vermeiden. Dasselbe gilt zum Beispiel auch bei den nicht selten vorkommenden Anfällen von Nesselfieber nach Gebrauch bestimmter Waschmittel: Pferde, die je nachdem Minuten oder auch Stunden nach der Applikation einer neuen Lotion oder Seife mit Quaddeln reagieren, sind tunlichst nicht mehr mit diesem Wirkstoff in Kontakt zu bringen.
Des Weiteren existieren auch labortechnische Möglichkeiten, um die Wirkstoffe, die das Nesselfieber auslösen, zu erkennen. Aufgrund der Untersuchung von Blutproben oder Hauttests gelingt dies, aber leider nur zum Teil. Sie dürfen deshalb nicht erschrecken, wenn das Laborresultat ergibt, dass Ihr Equide gegen Blütenstaub von vier oder sieben oder noch mehr verschiedenen Arten allergisch ist respektive sein soll …

Kortison als letzte Möglichkeit
Problematisch – und dadurch viel schwieriger – erweist es sich, eine nachhaltige Behandlung zu definieren, wenn keine zu beweisende Ursache als Auslöser des Nesselfiebers gefunden wird. Die Diagnose wird dann letztlich als «idiopathische Urticaria» (Nesselfieber unbekannter Ursache) bezeichnet, was zumindest schön tönt, aber natürlich auch nicht entscheidend für das praktische weitere Vorgehen hilft. In diesem Fall bleibt häufig als letzte Möglichkeit, mit systemischen (Tabletten oder Injektionen) Kortisonkuren über längere oder sehr lange Zeiten eine Besserung oder Heilung zu erreichen. Dies ist natürlich von der Besitzerin aus gesehen keineswegs eine «erwünschte» Therapie; und doch wird dieses Vorgehen von Zeit zu Zeit durch die vorher bezeichneten Umstände erzwungen, um dem Pferd wenigstens über eine gewisse Zeit ein Leben ohne weitere Einschränkungen zu ermöglichen.
Nach dieser allgemeinen Abhandlung zu Ihrem in der Frage beschriebenen Problem: Sie sollten durch entsprechende Versuche herauszufinden versuchen, ob nun allenfalls die Nässe, der Wind oder die Kälte das Nesselfieber hervorruft. Dazu müssen Sie Ihr Pferd den entsprechenden fraglichen Komponenten wie Wind oder Wasser oder Kälte aussetzen. Falls dies immer noch kein schlüssiges Resultat ergibt, sind diese Komponenten zu kombinieren. Ich wäre nicht erstaunt, wenn Sie auch dann noch kein beweisendes Resultat erhalten haben.
Das heisst konkret für Sie: weitersuchen nach entsprechenden auslösenden Wirkstoffen oder Komponenten mit Blut- und allenfalls Hauttests. Oder wenn auch dann noch kein schlüssiges Resultat erhalten wurde, und auch dies würde mich nicht erstaunen, mit Ihrer Tierärztin weiterhin auf der alternativen Ebene (Homöopathie) das Problem angehen. Und mit weiteren Spezialistinnen für Bioresonanz, Akupunktur, Phytotherapie etc. gangbare Wege erforschen.

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