Von: Tamara Wülser

Kavallino: 1-2/18

Sprudelnd zur besseren Heilung

Für eine gute Betreuung der Patienten sorgen sich in der Reha (v.l.) Eva Nydegger, Myrtha Zbinden und Franziska Oberli.

Je schneller die Pferde ins Spa kommen, umso besser sind die Heilungschancen.

Nebst dem Sprudelbad stehen ein Laufband sowie eine Schüttelplatte zur Verfügung.

Wohlfühlen sollen sich die kranken Pferde auch während ihres Aufenthaltes.

Wenn es der Heilungsverlauf erlaubt, kommen die Pferde auf die Weide.

Pferde sind selten geduldige Patienten. Doch gerade nach Verletzungen im unteren Bewegungsapparat ist für das Bewegungstier ein schonender Aufbau wichtig. Neue Möglichkeiten ergeben sich seit einiger Zeit in Reha-Kliniken wie im Stall BEN im bernischen Schwarzenburg.

Ruhig läuft der Schimmel hinter Eva Nydegger her ins Spa. Zuerst wird die Türe vor ihm geschlossen, dann die hintere. Danach wird das zwei Grad kalte Wasser langsam eingelassen. «Die kalte Salzwasser-Hydrotherapie beschleunigt die Heilung und Reparatur von Verletzungen an den unteren Extremitäten: von Sehnenverletzungen bis zu den schwersten Wunden. Zusätzlich kann es zur Vermeidung von Steifheit beitragen und die Geschmeidigkeit verbessern», erklärt die ambitionierte Reiterin. Neben der Kühlung fördert der Sprudel und das Salz im Wasser die Durchblutung. «Gleichzeitig ist es sehr entspannend für das Pferd, auch unruhige sind meist nach kurzer Zeit schläfrig. Im Stall BEN in Schwarzenburg können sich verletzte Pferde wieder erholen und nach schonendem Aufbau erneut zu ihrer sportlichen Höchstform kommen. Mit dem Equine Spa, einem Laufband und einer Schüttelplatte ist der Stall perfekt ausgerüstet für Verletzungen des Bewegungsapparates.
Eine Reihe von Studien zeigt, dass die Spa-Therapie sehr effektiv ist bei Verletzungen im unteren Bewegungsapparat. Viele der so behandelten Pferde können nach Eva Nydegger wieder im Sport eingesetzt werden: «Eine Sehnenverletzung kann man nicht einfach verändern, aber man kann die Heilungszeit verkürzen. Je schneller die Pferde ins Spa kommen und je akuter das Problem, desto besser die Heilungschancen.» Versuche in Holland zeigen, dass das Spa auch bei Hufrehe helfen kann, weil Kühlen das A und O ist. «Vielfach ist aber das Problem, dass die Leute zu lange warten und sich das Hufbein schon abgesenkt hat.»

Mit 40 etwas kürzer treten
«Auf die Idee, mit verletzten Pferden zu arbeiten, kamen wir an einem Konzert», erklärt Eva Nydegger. Mit einer befreundeten Tierärztin schmiedete sie damals Pläne. Denn in diesem Bereich bestand eine Marktlücke. Das merkte Eva Ny­deg­ger, als sich ein Springpferd verletzte, mit dem sie 2007 Schweizermeisterin wurde.  «Obwohl es nicht mein Pferd war, lag mir so viel an ihm, dass wir alles probierten bis hin zu Stammzellentherapie.» Doch nichts wollte helfen, dafür entdeckten sie in Deutschland die Spa-Therapie.
«Ich sagte immer, dass ich mit Vierzig keine jungen Pferde mehr einreiten will», so die Bereiterin. «Dann war ich Vierzig gewesen und ich ritt immer noch Junge an.» Sich um kranke Pferde zu kümmern, sei aber ein Aufgabe, die sie auch später noch gut machen könne. Und so setzte sie vor zwei Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Beat die Idee vom Rehabilitationsstall um und richtete im ehemaligen Wagenschopf ein Spa sowie Krankenboxen ein.
Bei Reha-Pferden steht der Besitzer vor vielen Herausforderungen. Zum einen sind viele Therapieformen sehr zeitaufwändig. Zum anderen werden die meist wenig bewegten Tiere frech und schwierig. Zudem sind die Therapiemöglichkeiten zu Hause vielfach nicht so gut. Beispielsweise was kaltes Wasser anbelangt. Das Wasser im Spa ist in einem Kreislauf und wird automatisch gekühlt, sobald es wärmer wird. Bei Sehnenverletzungen hat das Sprudeln zudem eine gute Wirkung und fördert die Regeneration von Sehnenfasern.

Am meisten Freizeitpferde
Das passende Spa zu finden, war aber gar nicht leicht. Dann entdeckte sie das englische «ECB Equine Spa». «Ich sah vier solche in Dubai im Einsatz bei Rennpferden und die Erfolge damit waren beeindruckend», erinnnert sich Eva Nydegger. Grosse, helle Auslaufboxen und Wandmalereien im Spa-Bereich zeugen davon, mit wieviel Herzblut der Stall erstellt wurde.
Doch wer denkt, dass nur teure Springpferde sich in Schwarzenburg die Beine besprudeln lassen, liegt falsch. «Wir haben vor allem Freizeitpferde hier in der Reha», erklärt Eva Nydegger. «Ursprünglich wollte ich Sportpferde therapieren und sie anschliessend wieder aufbauen und in den Sport zurückbringen.» Doch es zeigte sich, dass viele Sportreiter auch im regionalen Bereich ein Pferd mit Sehnenverletzung nicht mehr für den Sport nehmen. Für Eva Nydegger wäre es schön, wenn sich dies ändern und den Pferden eine Chance gegeben würde. Wie etwa dem Sportpferd Top Rocky Mountains von Fritz Krähenbühl, welches von Eva Nydegger im Sport geritten wird und sich verletzte. Nach einer zweimonatigen Therapie im Spa fand es wieder rasch den Anschluss an die Spitze.
Ein unerwarteter Kundenkreis interessierte sich dagegen stark für die Therapie: die Freizeitreiter. «Bei den Freizeitreitern ist das Pferd ein Partner, für den die meisten alles machen.» Die Reha in Schwarzenburg ist deshalb für viele eine letzte Chance nach unzähligen Behandlungen. Aber ermutigend: «Wir hatten schon Pferde hier mit extrem schlechten Prognosen, eines davon läuft aktuell wieder im Westernsport.»
Einige Pferde kommen nur zu einer ambulanten Therapie auf den Hof, um nach einem Turnier Entzündungen vorzubeugen. Andere bleiben für ein bis zwei Monate stationär. «Für eine Sehnenverletzung sind vier bis sechs Wochen Therapiebad nötig, zwei Monate sind optimal.» Viel Boxenruhe haben die Pferde auf dem Hof nicht: «Wir versuchen möglichst bald mit minimalen Belastungen von fünf Minuten Laufband anzufangen.» Wer sich gar nicht bewegen darf, kommt auf die Rüttelplatte. Darauf kann ohne aktive Bewegung die Durchblutung angeregt werden.

Drucken