Editorial: 1-2/18

Nicht unlösbar, aber existentiell

Scheinbar unüberwindbare Aufgaben lösen und gesetzte Ziele gemeinsam erreichen – diese Vorgaben hat Andy Kistler, der Equipenchef unserer Springreiter, zum Motto fürs neue Jahr erklärt. Was für Aufgaben er damit explizit meint, geht aus der Medieninformation nicht hervor. Dass es aber für den Pferdesport grosse Aufgaben zu lösen gibt, führen uns in dieser Ausgabe zwei Artikel vor Augen. Zum einen geht es um Aussagen im kürzlich erschienenen Buch «Geliebt und missbraucht», zum andern um den Artikel in der Ponypost,  der auf schwergewichtige Probleme im Ursprungsland des Pferdesports eingeht. In England nämlich ist es Richtern in Ponyprüfungen erlaubt, Konkurrenten zum Absteigen zu veranlassen und aufzufordern, den Parcours zu Fuss zu verlassen. Nicht etwa, weil Blut am Pony entdeckt worden wäre, sondern weil das Verhältnis Reiter- zu Ponygewicht zu ungunsten des Ponys ausfällt.

Als Begründung für diese harte Massnahme wird angegeben, dass mit diesem Vorgehen versucht werden soll, extremen Tierschutzkreisen den Wind aus den Segeln zu nehmen, bevor es zu neuen Gesetzen kommt. Die auf der Insel aufkommende Angst ist nicht unbegründet, wie auch im oben erwähnten Buch aus Deutschland nachzulesen ist. Im Kapitel über «Das Pferd in Tierschutz und Tierrecht» lässt sich die Passage finden: «Wenn uns das Pferd in Zukunft weiterhin unsere Wünsche erfüllen soll, dann wird es dringend Zeit, sich um seinen Schutz zu kümmern. …Überall – sonst macht es jemand anders.»

Als unüberwindbare Aufgabe sehen wir die Aufforderung zum Schutz des Pferdes im neuen Jahr nicht. Schliesslich verfügen wir über Paragraphen und Reglemente, denen nur nachzuleben ist. Und ein unüberwindlicher Vorsatz ist es auch nicht, wenn wir uns vornehmen, die Einsätze der Pferde so zu gestalten, dass sie ihnen Freude bereiten.

Thomas Frei
Chefredaktor

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