Von: Florian Adam

Dossier: 11/17

Einstreu und Beläge | Gut gebettet

Auch Pferde wissen es zu schätzen, gut gebettet ausruhen zu können.

Weizenstroh eignet sich als Einstreu im Pferdestall am besten unter den verschie­denen Stroharten, wie eine Untersuchung am Nationalgestüt gezeigt hat.

Nicht unter dem Hag hindurch, sondern zwischen den Stangen hindurch fressen ist in der Sozialbox erlaubt und gefragt, wenn in der eigenen Box nur Späne sind.

Wo die Vorteile der einzelnen Einstreumaterialien liegen, ist mittlerweile wissen­schaftlich untersucht worden.

Stroh als Einstreu dient auch der Beschäftigung, umso mehr ist gute Qualität wichtig.

Staubentwicklung im Pferdestall ist zu vermeiden – entweder mit Anfeuchten vor dem Fegen oder mit dem Westermann Radialbesen mit Spraydüse.

Egal welche Einstreu – sauberes Abmisten ist auch ein Gesundheitsfaktor. Vorteil bei neuen Einstreumaterialien: Gabelstiche gibt es nicht mehr, weil es keine Eisengabeln mehr braucht.

Wichtige Gründe bei der Wahl des Einstreumaterials: Arbeitszeiten, Lagerung und Entsorgung.

Wie viel eine Einstreu von schädlichen Gasen binden kann, ist bei Boxenhaltung eine wichtige Eigenschaft.

Egal wie häufig die Pferde Auslauf bekommen – viel Zeit verbringen sie in ihrer Box. Deshalb sollten ihre eigenen vier Wände nicht nur Gemütlichkeit ausstrahlen. Beim Untergrund und der Einstreu in Pferdeboxen gibt es so einige Faktoren, die zu beachten sind …

Über die Einstreu in Pferdeboxen wurde sich lange wenig Kopfzerbrechen gemacht. Stroh galt als die Allzwecklösung unter den Materialien für die Box. Doch auch die Einstreuarten gehen mit der Zeit. Durch den weiterentwickelten Kenntnisstand über die verschiedenen Materialien kann so für jedes einzelne Pferd die passende Lösung gefunden werden. Alternativen zum Stroh sind so auf dem Vormarsch. Um einschätzen zu können, welche der Einstreuarten für das einzelne Pferd die Beste ist, muss zunächst geklärt werden, worauf es eigentlich ankommt. Und dafür gibt es eine klare Marschroute: Staubfreiheit, Saugfähigkeit, Geruch, Volumen und die Entsorgungsmöglichkeit differenzieren zwischen Gut und Böse, zwischen geeignet und weniger empfehlenswert. Nicht zu unterschätzen bleibt der Kostenfaktor. Nur: Sparen am falschen Ort könnte sich fatal auswirken und zum Bumerang werden – beispielsweise als Tierarztkosten. Denn wird die Hygiene in den Pferdeboxen nicht beachtet, kann es neben dem fehlenden Wohlbefinden durch Nässe, Staub oder schädliche Gase und Keime schnell zu Erkrankungen kommen. Grundsätzlich ist neben dem geeigneten Material auch die Pflege, also das Misten, nicht zu unterschätzen. Denn auch Vierbeiner legen sich schliesslich gerne in ein gemachtes Nest – und nicht in ihre eigenen Ausscheidungen.

Auf hohe Saugfähigkeit achten
Als einer der obersten Gebote gilt demnach, dass für jegliche Einstreuart ein besonderer Wert auf eine hohe Saugfähigkeit zu legen ist. Die möglichen Folgen eines feuchten Grunds sind bekannt: Bakterien können Fäulnis verursachen und das Hufhorn angreifen. Für Sport- und Freizeitpferde kann das über einen längeren Zeitraum hinweg das Aus bedeuten. Unter der Leitung von Professor Dr. Dirk Winter wurde an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen ein Versuch (siehe auch KAVALLO 4/2016) unter verschiedenen Einstreumaterialien hinsichtlich der Wasseraufnahmekapazität durchgeführt mit dem Ergebnis: Grundsätzlich zeigten die strohbasierten Materialien höhere Wasseraufnahmekapazitäten als holzbasierte Produkte. Ganz vorne lagen im Vergleich von insgesamt neun Produkten Strohpellets. Holzbasierte Produkte hatten grundsätzlich das Nachsehen. Beim Stroh, das auch als Nahrung dient, ist gute Qualität aber Pflicht. Bei entsprechender Strukturgutlänge und guter Qualität kann das Kaubedürfnis der Pferde erfüllt werden und zur gewünschten Fresszeit von mindestens zwölf Stunden am Tag beitragen.

Einstreu als Geruchsbinder
Oft zeigt das Stroh aber gesundheitsschädigende Schimmelbildung. Zusätzlich ist darauf zu achten, dass Sauberkeit und damit ein gesundes Klima im gesamten Stallbereich herrscht. Dazu gehört auch die Geruchsbindung der jeweiligen Einstreu. Der Gesundheit der Vierbeiner kommt es im Speziellen auch entgegen, wenn der Untergrund eine weiche und rutschfeste Steh- und Liegefläche aufweist.

Staubbildung reduzieren
Eines der grössten Probleme, die im Zusammenhang mit Einstreu entstehen können, ist die Staubbildung. Oftmals unterschätzt und von Stallbetreibern als ungefährlich abgetan, sind die möglichen Folgen eigentlich nicht unerheblich. Eine dauerhafte Reizung der Atemwege kann bei Pferden Lungenerkrankungen hervorrufen. Um eine möglichst niedrige Staubentwicklung zu erreichen, ist die Verwendung von entstaubten Spänen – in den bekannten Handelsprodukten bereits meistens Standard – sowie gehäckseltem oder entstaubtem Strohmehl ein absolutes Muss.
Nimmt man die Rolle eines Stallbesitzers ein, kommen noch ganz andere elementare Faktoren bei der Auswahl der Einstreu ins Spiel. So ist meistens kein unbegrenzter Platz vorhanden für die Lagerung von Einstreu. Damit sind platzsparende Produkte klar im Vorteil. Die Wirtschaftlichkeit steht für die Anlagenbetreiber darüber hinaus im Zentrum. Neben den Anschaffungskosten beeinflusst auch die Handhabung der Einstreu die Gesamtkosten. Diese spiegelt sich in der notwendigen Arbeitszeit wider. Zu dieser Summe kommen dann noch die Ausgaben für die Entsorgung des Mistes hinzu.

Allpferde-Einstreu gibt es nicht
Werden die verschiedenen Einstreuarten genauer unter die Lupe genommen, wird schnell klar: Ein Einstreumaterial, das für jedes Pferd als ideal gilt, scheint es nicht zu geben. Der Klassiker und hoch im Kurs bleibt das Stroh. Hier muss besonders auf hohe Qualität geachtet werden, damit keine Pilzsporen ihr Unwesen treiben können. Und das ist gar nicht mal so einfach. Anders als bei Spänen und anderen Alternativen ist eine konstante Qualität kaum zu gewährleisten.
Der Vorteil im Stroh liegt wiederrum darin, dass es einen geringer Teil der Raufutterration abdecken kann. Doch wie bereits angedeutet: Das Mass ist entscheidend! Je nach Strohart (Gerste, Roggen, Hafer und Tritikale) variiert auch der Nährwert als Raufutter sowie die Saugfähigkeit der Halme. Heu oder Heulage kann dadurch längst nicht vollkommen ersetzt werden. Übermässiges Strohfressen kann durch Lignineinlagerungen aber schnell zu Verstopfungen führen. Der gutgemeinte Wille der Pferdebesitzer schlägt damit schnell ins Gegenteil um. Und da soll nochmal einer sagen, über die Einstreu sollte man sich nicht zu viele Gedanken machen!
In der späteren Verarbeitung zählt Stroh besonders durch die gute Verrottung auf dem Misthaufen als grosser Favorit bei den Landwirten. Bei Pferden mit dem einen oder anderen Kilo zu viel ist übliches Stroh nicht gerade empfehlenswert. Da empfiehlt sich der Umstieg beispielsweise auf Leinstroh. Aufgrund des bitteren Geschmacks sehen auch leichtfuttrige Vierbeiner davon ab, es zu verspeisen. Doch Vorsicht, der Preis ist meist noch höher als für gewöhnliches Stroh. Für Allergiker ist es jedoch sein Geld wert, da diese Einstreuvariante – Leinstroh wird aus gehäckselten und entwurzelten Flachsstängeln produziert – als staub- und schimmelfrei gilt.
Zu den gefragtesten Alternativen zum gewöhnlichen Stroh gehören Holzspäne. Anders als bei anderen Materialien kann von gleichbleibender Qualität ausgegangen werden. Zu den Vorteilen von Spänen zählen neben dem einfachen Transport ein geringes Staubaufkommen, die Möglichkeit der kontrollierten Raufutteraufnahme sowie ein geringes Mistvolumen. Im Preisvergleich können die Holzspäne nicht mit dem niedrigeren Preis des Strohs mithalten, bleiben aber unter den Kosten von Leinstroh. Mehr und mehr im Kommen sind auch die relativ preisgünstigen Lösungen der Strohhäcksel und Strohpellets. Die Pellets werden mit sehr hohem Druck bei Temperaturen über 100°C gepresst, was ein weitgehend staubfreies Produkt ergibt. Bei der Bindung der einzelnen Partikel werden im grossen Rahmen Pilzsporen und Keime entfernt. Nach eigenen Aussagen erklären Produzenten von Strohpellets, dass die vierfache Menge der eigenen Masse an Feuchtigkeit aufgenommen werden kann. Daraus resultieren wiederum ein sparsamer Verbrauch und ein geringes Mistvolumen. Ähnlich wie bei Holzgranulat geht jedoch der Beschäftigungsfaktor, den Stroh mit sich bringt, für die Pferde verloren.
Neben den erwähnten Einstreuarten gewinnt auch Einstreugranulat und Kompost immer mehr an Bedeutung. Das aus Pflanzenfasern produzierte Einstreumaterial ist sehr saugstark und gilt als sehr wirksam gegen unangenehme Gerüche. Die Produktion von Einstreugranulat findet in einem Zwei-Phasen-System statt. Im ersten Schritt wird Stroh gehäckselt und zu Pellets gebunden. Daraufhin werden diese weiter zu einem Granulat mit höherem Volumen zerkleinert. Häufig empfehlen die Produzenten die Verwendung in Kombination mit Gummimatten.

Matten in allen Variationen

Es gibt sie in den verschiedensten Arten: Gummimatten gibt es heutzutage für beinahe jeden Bedarf. Nicht nur die Stelle, an der Gummimatten angebracht werden sollen, ist ausschlaggebend für das passende Modell. Auch die Einstreuart, ob In- oder Outdoor und das verfolgte Ziel spielen eine entscheidende Rolle. So bieten die Hersteller heute Modelle unter anderem mit den nachfolgenden Eigenschaften: stossdämpfend und elastisch, robust und gelenkschonend, undurchlässig und rutschfest, langlebig und wärmedämmend bis zu handlich und wasserfest. Die meisten Experten raten dennoch davon ab, bei ausgelegten Gummimatten auf Einstreu zu verzichten. Doch die Kombination von beidem kann durchaus wertvoll sein. Durch Gummimatten kann so zumindest Einstreu reduziert werden. Die Produzenten selbst sehen eine Einsparung von 70 Prozent bei der Verwendung von Matten. Das Einbauen und Verlegen der einzelnen Modelle gelten heutzutage als kinderleicht.

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