Editorial: 11/17

Pferdezirkus muss sich verkaufen lassen

Pferde haben den Tierschutz schon immer nötig gehabt. Heute genauso wie vor gut 150 Jahren, als die Organisation Schweizer Tierschutz gegründet wurde. Nicht umsonst wurde jene Zeit von Ulrich Raulff, dem Autor des Buches «Das letzte Jahrhundert der Pferde», als «Pferdehölle» bezeichnet. Nostalgiker mögen sich noch über pferdebespannte Strassenbahnen freuen, die Pferde waren aber nach zwei, drei Jahren verbraucht, dermassen ging das Ziehen auf hartem Untergrund in die Gelenke. Erlöst wurden sie von den Beschwerden allerdings nicht, im leichteren Zug konnten sie allemal noch ein paar Jahre Geld verdienen.

Wenn Tierschutzaktivisten mit Kameras auf den Turnierplätzen Jagd machen, folgen sie nur einer Tradition und betreten kein Neuland. Sie vom Platz wegweisen zu wollen, wäre die falsche Taktik. Gewinnbringender für die Zukunft des Pferdesports ist, wenn sich Pferdesportler und Tierschützer im gleichen Saal treffen wie in Olten, wo der Schweizer Tierschutz zur 9. Pferdetagung eingeladen hatte. Auch wenn SVPS-Präsident Charles Trolliet teilweise keinen leichten Stand hatte, Fragen und Antworten versorgten ihn mit Fakten, die das heutige Umfeld des Pferdesports bestimmen. 

Wie fatal sich eine Falscheinschätzung auswirken kann, musste der Thurgau im Fall Hefenhofen erleben. Der Imageschaden beruhte darin, dass sich die Behörden überhaupt nicht im Klaren waren, welche emotionale Bindung zwischen Mensch und Pferd noch immer besteht. Anders beim Circus Knie, wie es in Olten von Fredy Knie auf den Punkt gebracht worden war. Als wirtschaftlich geführtes Unternehmen, hielt der Zirkusdirektor fest, könne man sich keine Tiernummern leisten, die vom Zeitgeist abweichen. Das gilt für den Pferdezirkus im Parcours, Viereck oder im Gelände genauso, wenn er überleben will. In Nordeuropa sind Peitschen in Rennen verboten, bei uns wird befürchtet, die Wettumsätze würden sinken.

Thomas Frei
Chefredaktor

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