Von: Tamara Wülser

Kavallino: 10/17

Mit einem Shetlandpony Stottern geheilt

Nadin mit den beiden Shetlandponys an einem ihrer ersten Fahrturniere vor sechs Jahren.

Die ältere Schwester als Vorbild genommen – Lisa mit Vater Sommer als Groom.

Nächstes Jahr möchte Nadin Sommer in Vollprüfungen starten.

Lisa mit ihrem Märchenprinz. Mit dem Deutschen Reitpony nimmt sie nun auch Reitstunden.

Mit fünf hat sie die ersten Flots beim Reiten gewonnen. Heute nehmen Nadin Sommer und ihre Schwester Lisa regelmässig an Fahrturnieren teil oder groomen, wenn Vater Sommer startet. Lisa Sommer konnte zudem dieses Jahr am Final des Jugendcups teilnehmen. 

Als Kleinkind hatte Nadin gestottert, worauf der Arzt das Reiten empfahl. Annerös und Hanspeter Sommer befolgten den ärztlichen Rat und machten sich auf die Suche nach einem Shetlandpony. Da man eines nicht alleine halten durfte und Lisa auch eines wollte, zogen schliesslich ein kleiner Schimmel und ein Rappe bei Sommers in Hindelbank ein. «Als der Tierarzt das erste Mal Merlin sah, meinte er, wieso wir so ein Pony hätten kaufen können», erzählt Hanspeter Sommer. Der kleine Schimmel hat eine Delle am Kopf von einer Schlagverletzung, die seinen ganzen Oberkiefer verschob. Doch mit regelmässigen Zahnbehandlungen ist das kein Problem mehr.
Um mit den Ponys auch etwas machen zu können, begann Hanspeter bei Aschi Hubacher mit Fahren. Das Brevet folgte wenig später. «Dann haben wir einen Wagen gekauft, hatten aber keine Ahnung», erklärt Annerös Sommer schmunzelnd. Und so musste bald auch schon ein anderer Wagen gekauft werden, weil der erste nicht ideal war. Und nach und nach war Hanspeter mit den Ponys auch an «wilden» Fahrturnieren anzutreffen. «Solche Veranstaltungen sind Türöffner für den Fahrsport, vom Verband her sollten solche Turniere gefördert und nicht bekämpft werden», ist die Meinung von Hanspeter Sommer.

Drei neue Ponys
Später nahm Hanspeter Sommer bei Andreas Flückiger und Werner Ulrich Fahrstunden und absolvierte mit den Shettys die Fahrlizenz. «Ich habe mit 13 mit den beiden die Lizenz gemacht», erzählt Nadin. Sie war eine der Letzten, die mit 13 noch die Lizenz machen konnte. Lisas Ziel ist, im nächsten Jahr die Lizenz zu machen, wahrscheinlich aber mit einem der neuen Ponys. Denn die Herde wurde um zwei Deutsche Reitponys und einen Welsh Cob erweitert. Sommers hatten ein Deutsches Reitpony gesehen in Deutschland und suchten ein passendes Pony dazu.

Ein Pony gesucht, zwei gekauft
In Hannover war ein Zweiergespann ausgeschrieben und obwohl sie nur eines wollten, gingen sie die zwei anschauen. Schliesslich kamen sie nach Hindelbank. Die beiden liefen im Fahrsport, auch an den Deutschen Meisterschaften. Doch dann hatten sie einen Unfall im Gelände, der Wagen kippte, Fahrer und Beifahrer flogen davon und die Ponys brannten durch.
Danach hatte die Besitzerin Angst, mit ihnen zu fahren. «Anfangs waren sie schwierig, aber es ging immer wie besser», erklärt Nadin und meint: «Wir sind alle froh, dass wir sie gekauft haben.»
Aber warum wieder Ponys und keine Pferde? «Sie haben eine praktische Grös­se, man kann sie dennoch reiten», gibt Hanspeter Sommer zu verstehen. «Wir sind auch alle nicht so gross, und da passt das gut», ergänzt Nadin. Lisa fügt noch hinzu: «Und zum Aufsteigen ist es auch viel angenehmer.»
Nadins Ziel fürs nächste Jahr ist eine Vollprüfung oder zumindest eine reduzierte Vollprüfung zu fahren. In Kurzprüfungen und Multitests konnte sie bereits Erfahrungen sammeln. Dieses Jahr startete sie nicht, da die KV-Lehre zuviel Zeit in Anspruch nahm. Zudem ist Nadin noch Pfadi-Leiterin. «Sobald ich die Lizenz habe, möchte ich auch eine Vollprüfung starten», gesteht die jüngere Schwester. Sie absolviert das 10. Schuljahr und möchte danach Tierarztpraxis­assistentin werden. Früher zählte zu den Hobbys der beiden Schwestern auch noch Kaninhop, eine Art Springturnier mit Kaninchen.
Während Vater Sommer zweispännig startet, wollen die Töchter auf einspännig umstellen. Die Mädchen haben Vorrang, Vater Sommer geht als Beifahrer mit – obwohl er hinten auf dem Wagen Angst habe, wie Mutter Annerös Sommer ergänzt. Lisa nahm dieses Jahr an der Ausscheidung des Jugendcups teil. Das sind Turniere für junge Fahrer/-innen bis 22. Dabei muss ein Kegelparcours möglichst ohne Fehler in Idealzeit und nicht möglichst schnell gefahren werden. Der Final fand während den Schweizermeisterschaften statt. «Leider lief es nicht so gut, zu viele Bälle lagen auf dem Boden.»
Mit ihrem Schimmelpony Märchenprinz nimmt sie nun auch Reitstunden und mit dem Deutschen Reitpony Nic Nac Springstunden. Er werde zwar noch recht schnell heiss, es gehe aber immer wie besser. Den sportlichen Schimmel hat sie selber eingeritten.

Kostenintensives Hobby
Nächstes Jahr sollen vor allem die Mädchen starten, Vater Sommer möchte vielleicht noch an ein bis zwei Auslandsturnieren starten. Der Fahrsport ist ein teures Hobby. «Um die tausend Franken rechnen wir etwa für ein Turnierwochenende mit einer Vollprüfung», schätzt Annerös Sommer. Im Ausland sei das Startgeld billiger, die Anreise dafür etwas teurer. Die Turniere sind für Sommers die Ferien. Ideal bei einem solchen Hobby ist natürlich, wenn wie bei ­Sommers die ganze Familie davon begeistert ist.

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