Von: Monika Schaaf

Dossier: 10/17

Pferdegerechte Ausrüstung | Damit’s nicht zwickt und drückt

Wenn der Schuh drückt, ist es für uns genauso unangenehm wie fürs Pferd, wenn Sattel und Zaum nicht passen. Neuralgische Punkte sind jedoch hinlänglich bekannt, durchdacht konzipiertes Lederzeug ist erhältlich. Foto: Passier

Ist genügend Widerristfreiheit vorhanden? Wenn der Sattel das Pferd nicht schmerzt, lässt es sich auch leichter sitzen. Fotos: kav

Dem Gurt wurde lange Zeit wenig Beachtung geschenkt. Zu starker Druck kann aber die hinteren Äste der Segmentalnerven inklusive hinterer Anteil des Armgeflechtes reizen.

Ob Sattel oder Zaum, alles kann dem Pferd Unbehagen bereiten, wenn es den anatomischen Gegebenheiten nicht entspricht. Foto: kav

Anatomieprofessor Hans Geyer demonstriert, wo das Gebiss liegen muss, damit es nicht drückt. Foto: kav

Die Felix-Bühler-Zäumung «Anatomical Elastic» ist nicht nur schick, sondern auch funktionell. Foto: Krämer

Sehnen und Bänder werden mit der Fesselkopfgamasche geschützt.

Ein Hufmantel kann vor Rissen schützen und ein Austrocknen des Hufes verhindern. Foto: Hufmantel

Früher machte man sich gar keine Gedanken: Da gab es einen Sattel, einen Zaum und eine Trense. Heute? Undenkbar! Mittlerweile ist allen klar: Erst, wenn die Ausrüstung dem Pferd anatomisch so nah wie möglich kommt, ist ein Leistungsoptimum möglich. Das Pferd steht bei der Ausrüstung heute im Fokus. 

Rückenschmerzen – ein Volksleiden. Durch die viele sitzende Tätigkeit, der ein Grossteil der Bevölkerung im Beruf nachgeht, wird die Rückenmuskulatur vernachlässigt und es entstehen Probleme mit der Wirbelsäule. Reiten wirkt dem eigentlich entgegen, denn durch Reiten, insbesondere die aufrechte Haltung, wird Muskulatur aufgebaut und damit der Wirbelsäule Stabilität verliehen. Dennoch klagen auch viele Reiter über Schmerzen. Klar: Einseitige Belastung ist immer schlecht. Ausserdem ist der Reiterrücken permanent Stössen ausgesetzt, die es durch die richtige Technik auszugleichen gilt. Gleiches gilt übrigens auch für den Pferderücken. Der ist beim Reiten ebenso belastet und kann durch schlecht sitzende Sättel noch in grösserem Ausmass beeinträchtigt werden. Doch die Sattelhersteller sind permanent darum bemüht, ihre Produkte in Sachen Pferdefreundlichkeit zu verbessern. Heute weiss jeder: Für optimale Leistung muss die Ausrüstung stimmen. Ein massgefertigter Sattel ist sicherlich das Optimum, nicht jeder Reiter kann aber so tief in die Tasche greifen. Die Sattelindustrie bietet schon lange nicht mehr nur den Sattel «von der Stange». Je individueller ein Sattel ist, desto teurer ist er meistens auch. 

Mitwachsender Sattel
Eine ganz clevere Lösung für die anatomischen Gegebenheiten des Pferderückens und denen heranwachsender jugendlicher Reiter hat Passier auf den Markt gebracht mit einem Jugend-Dressursattel. Der Young Star aus dem renommierten Haus mit 150-jähriger Tradition hat nämlich variable Schenkelpauschen, die man dank einer Klettunterseite exakt dort platzieren kann, wo man sie braucht. So liegt das Bein des Reiters immer in der richtigen Position und hat optimalen Halt. Das ist für Jugendliche in der Wachstumsphase von Vorteil.
Was in Sachen Sattel wichtig ist: Passt er einmal, heisst es nicht, dass er auch für immer passt. Ein Pferderücken verändert sich, zum Beispiel durch aufgebaute Muskulatur, anderes Training oder Gewichtsverlust oder -zunahme. Deswegen sollte man in regelmässigen Abständen überprüfen, ob der Sattel auch wirklich der aktuellen Anatomie des Pferdes entspricht, damit keine Druckpunkte entstehen, die zu Schmerzen oder noch grösseren Problemen führen können. Gerade am Widerrist ist das Pferd besonders empfindlich, weshalb sowohl nach oben hin zwischen Widerrist und Unterkante des Vorderzwiesels und seitlich des Widerristes genügend Platz zum Sattel sein sollte.

Druck am Kopf vermeiden
Während der Sattel vielleicht das Herzstück unter den Ausrüstungsgegenständen ist und hier die Passform besonders berücksichtigt werden muss, sind aber auch die Zäume wichtiges Utensil. Auch sie sollten nicht drücken, damit das Pferd sich wohlfühlt und optimale Leistung erbringen kann. Anatomical Elastic heisst ein Zaum bei Felix Bühler. Er ist mit innovativen Elastikeinsätzen geschaffen, die sich unterhalb des Genickstückes befinden und geschickt durch das Stirnband verdeckt werden. Sie verhindern Druckspitzen auf Genick und Pferdemaul und verbessern zudem die Kau- und Maultätigkeit des Pferdes deutlich. Da werden also gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Praktisch. Optimale Passform garantiert zudem das anatomisch geformte Genickstück, das genauso wie das schwedische Reithalfter weich unterpolstert ist. Das Stirnband mit Perlen und funkelnden Glitzerkugeln ist zwar für das Pferdewohl unerheblich, aber es ist ein Zusatz, den man doch gerne obendrauf nimmt. Immerhin soll das Pferd, wenn es gut geht, ja auch noch besonders gut in Szene gesetzt werden.
Bei den Ausrüstungsgegenständen sollte man das Augenmerk auch auf den Sattelgurt legen. Vielfach wird dem Sattelgurt nicht allzu grosse Beachtung geschenkt, doch hat er keinen unerheblichen Einfluss auf das Befinden eines Pferdes. Stübben hat hier mit dem Equi-Soft ein System aus elastischen Bändern entwickelt, das eine perfekte Gurt-Druckverteilung ermöglicht. Die natürlichen Abwehrreaktionen des Pferdes beim Angurten wie Treten oder Beissen werden deutlich gemindert und das Design des Gurtes erlaubt dem Pferd ein unbeschwertes Ausdehnen des Brustkorbes. Die elastischen Bänder weiten und engen sich beim Ausatmen entsprechend, wodurch der Druck konstant und gleichmässig verteilt wird. Bei einer wissenschaftlichen Studie mit verschiedenen Gurten kam heraus, dass bei dem Stübben Equi-Soft-Gurt alle Pferde eine deutlich niedrigere Herzfrequenz hatten.
Wenn es um gesundheitsrelevante Ausrüstung für das Pferd geht, kommt man um das Thema Pferdebeine und Gamaschen nicht herum. Gerade beim Transport empfiehlt es sich, die Gliedmassen zu schützen, denn bei der Fahrt im Lkw kann das Pferd auch mal rutschen. Aber alleine das Auf- und Abladen ist immer ein Risikofaktor und schnell hat sich ein Pferd selbst in den Ballen oder auf den Kronrand getreten. Aber auch im Alltag, im Training oder im Stall und in medizinischen Fällen können Bandagen wichtig sein. Salbenverbände oder Medikamente können besser einwirken und die Verletzungen klingen schneller ab. Auch nach Operationen leisten die Bandagen somit wertvolle Dienste in der Regeneration.
Bei Betrachtung der Pferdebeine fällt der Blick natürlich auch auf den Huf. Auch für ihn gibt es mittlerweile schützende «Ausrüstung» in Form eines Hufmantels. Wer den braucht? Pferde, die schnell unter rissigen Hufen leiden. Der Hufmantel von Kieffer bietet dem Huf einen effektiven Feuchtigkeitsschutz, da er durch seinen elastischen Bund eng an das Fesselbein angebracht werden kann. Auch in der Therapie erfüllt der Hufmantel seinen Zweck, denn er kann beispielsweise Verbände in der Region des Kronrandes, der Fesselbeuge oder oberen Hufe schützen oder bei Strahlfäule den Huf trocken halten, wenn man das Pferd abspritzt.

Schützend
Die Beine sind die grosse Problemzone bei Sportpferden. Sehnen und Bänder sind empfindlich und Verletzungen an ihnen können zum sportlichen Aus führen. Equi-Safe hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese wichtigen Gliedmassen zu schützen. Die Colorado-Air-Fesselkopfgamasche ist aus atmungsaktivem, perforiertem 8mm starkem Neopren und schützt die Sehnen und Bänder gleichermassen. Der untere Klettverschluss wird dabei um den Fesselkopf gezogen und drei weitere Klettverschlüsse fixieren den oberen Bereich zusätzlich.

Nicht alle Pferde reagieren gleich

Für alle Ausrüstungsgegenstände am Pferd aber gilt – egal ob Sattel, Trensenzaum, Gamasche oder Magnetfelddecke: Was dem einen Pferd gut tut oder was bei ihm sitzt, muss beim anderen Pferd noch lange nicht den gleichen Effekt haben. Das ist ähnlich wie bei uns Menschen: Fühlen wir uns in einem Schuh wohl, heisst es nicht, dass sich jeder andere in dem Schuh auch wohlfühlt. Und auch aus medizinischer Sicht wissen wir, dass eine Therapie nicht bei jedem Menschen mit gleichem Krankheitsbild denselben durchschlagenden Erfolg hat. Deswegen muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Wichtig und ratsam: Der Reiter sollte sein Pferd beobachten, wie es sich mit der Ausrüstung bewegt, und notfalls eben auch den Expertenrat einholen. Wenn man dies berücksichtigt, handelt man in jedem Fall pferdegerecht und nicht nur, weil das Prädikat auf das Produkt gedruckt wurde.

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