Editorial: 10/17

Dressur ist kein Geheimnis

Dressur hat sich im Pferdesport als fester Begriff nun einfach einmal verankert. Auch wenn darunter Abrichten verstanden werden kann, die Pferdewelt lehnt eine solche Definition ab. Ob einfache Lektionen in einer kleinen Halle oder schwierigere Figuren auf einem Platz mit olympischen Massen zu zeigen sind, grundsätzlich soll dabei zum Ausdruck kommen, wo sich Pferd und Mensch auf ihrem gemeinsamen Ausbildungsweg befinden. Und wie wir in dieser Ausgabe lesen können, unterscheidet sich darin auch die Freiheitsdressur nicht. Sie hat als Ziel ebenso ein Pferd, das mit uns in einer so guten Verbindung steht, um auf ein Signal hin alles Erlernte motiviert zu zeigen.

Mit dem Begriff Dressur müssen nicht nur Pferdesportler leben, auch im Hundesport hört man es nicht gerne, wenn Dressur mit Abrichten der Vierbeiner gleichgesetzt wird. Was mit Dressur angerichtet werden kann, lässt sich in diesem KAVALLO unter dem Rubriktitel Dressur ebenfalls finden. Böswillig wurde Milady nicht abgerichtet, aber mit einem solchen Druck, dass sie letztlich jede motivierte Mitarbeit verweigerte.

Wenn wir schon an Dressur festhalten und Europameisterschaften beschicken, muss ihr die nötige Beachtung geschenkt werden. Die Vierspännerfahrer lagen nach der Dressur auf dem letzten Platz in der Nationenwertung, das beste Ergebnis im Dressur-Grand-Prix war ein 29. Rang. Und wenn bis auf die in Deutschland lebenden Vogg-Brüder die Concours-Complet-Reiterinnen im letzten Drittel platziert waren, müssen wir uns ernsthaft fragen, was wir unter Dressur noch verstehen? Was Dressur sein soll, wird uns nun die EQUITANA lehren: Ingrid Klimke und der vierjährige Firlefranz sind von der Pferdesportmesse als Botschafter engagiert worden, den klassischen Ausbildungsweg eines Reitpferdes aufzuzeigen. Wer das Paar sieht, kommt hinter das Geheimnis.

Thomas Frei
Chefredaktor

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