Editorial: 9/17

Ein Einzelfall nur vom Ausmass her

Erst die schrecklichen Bilder haben dazu geführt, dass die Pferde und Ponys aus dem oberthurgauischen Hefenhofen aus ihrer Qualhaltung abtransportiert wurden und innert kurzer Zeit – für viele Pferdefreundinnen und -freunde zu schnell – bessere Plätze gefunden haben. Das Gute an der traurigen Geschichte ist darin zu sehen, dass für die bemitleidenswerten Geschöpfe schweizweit grösstes Mitgefühl aufkam. Und nicht in einem Lippenbekenntnis, nein, auch in der Tat, wie der Ansturm am Tag des Verkaufs im Sand vor Augen führte. Ersteigert wurden die Pferde und Ponys mit dem Herzen, für einmal führten nicht Qualität oder Schönheit zum Kaufentscheid.

Ein Einzelfall ist Hefenhofen leider nur vom Ausmass her. In den vergangenen Wochen war Tierschutz und Pferdesport gleich mehrmals ein Thema. Der Springreiter Paul Estermann verzichtete auf die EM-Teilnahme wegen einer gegen ihn eingeleiteten Strafuntersuchung, der rechtmässig wegen Tierquälerei verurteilte Jörg Bodenmüller versucht, sich mit einem Buch zu rehabilitieren. «Jeder Fall ist einer zu viel!», hat es Hans Wyss, Direktor des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen, in der «Samstagsrundschau» im Radio SRF auf den Punkt gebracht. Am wichtigsten ist es nun für den von Amtes wegen obersten Tierschützer der Nation, dass es nie mehr so weit kommen kann wie im Thurgau.

In Hefenhofen haben aber nicht nur die Behörden mehr weg- als hingeschaut. Ulrich K. war als Händler und Züchter aktiv. Und wenn ein Pferd Eisen hat wie der Schimmel Nr. 87, total abgemagert und ohne Muskeln, wurde es wohl auch gebraucht. Zu hören war aber nie etwas gewesen – aus Unkenntnis heraus oder Bequemlichkeit? Beruhigend zu wissen ist hingegen, dass bei seriösen Händlern die alte Weisheit vorherrscht: «Wenn man von Pferden leben muss, muss man gut zu ihnen schauen!» 

Thomas Frei
Chefredaktor

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