Editorial: 8/17

Wenn Blut im Spiel ist, raus!

Der SVPS, oberster Hüter des Pferdesports im Land, kann durchaus die Zähne zeigen. Denn dem Schweizer Tierschutz hat er einen geharnischten Brief zugestellt mit der Aufforderung, «solche Aktionen in Zukunft zu unterlassen». Die Tierschutzorganisation hat den kritischen Turnierbericht – der ­KAVALLO berichtete in der letzten Ausgabe darüber – nicht nur en famille verteilt, das 14-seitige Dokument wurde auch Sponsoren von Pferdesportanlässen zugestellt. Ohne den SVPS vorgängig darüber zu informieren.  Die Verärgerung ist verständlich, denn wenn sich die Sponsoren aus Angst vor Imageschäden aus dem Sport zurückziehen, stehen schwere Zeiten an.

Lediglich eine halbe Parade wendet der SVPS bei der FEI-Blutregel an, die unmissverständlich den Ausschluss eines Konkurrenten fordert, wenn durch Reiter verursachte Blutspuren am Pferd entdeckt werden. Neu ins Generalreglement aufnehmen will der SVPS nun einen Artikel, der «den Jurypräsidenten berechtigt, das Pferd genauer anzuschauen, wenn während der Prüfung Blut am Pferd festzustellen sei». Berechtigt? Verpflichtet muss es heissen, wenn der Pferdesport nicht von aussen kontrolliert werden soll.

An fehlenden Paragraphen fehlt es im Pferdesport effektiv nicht. An der IGN-Tagung in Avenches hat Thies Kaspareit, Ausbildungsleiter bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, von 900 den Pferdesport regelnden Paragraphen gesprochen – mehr Bestimmungen, als wir je lesen könnten, die aber nicht ausreichend umgesetzt würden. Warum? Weil es sich beim Pferdesport eben um eine «komplexe Sache» handelt, wie in Avenches ausweichend ein ums andere Mal angeführt wurde? Dass der in der Podiumsdiskussion gestellten Forderung «Wenn Blut im Spiel ist, raus!» Applaus gespendet wurde, müssten die SVPS-Vertreter eigentlich auch mitbekommen haben.

Thomas Frei
Chefredaktor

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