Von: Christoph Wegmann | Dr. med. vet. FVH Equidoc GmbH

Tierarzt: 7/17

Eitrige Mückenstiche

Von Kribbelmücken verursachte Hautläsion am Unterhals. Foto: kav

Bei meinem Pferd bilden sich wohl von den Mücken immer wieder eitrige Wunden an Brust und Bauch. Einmal auch schon dort, wo die Gurte liegt. Wie sind sie am besten zu behandeln? Kann ich das Pferd trotzdem satteln Oder muss ich es abheilen lassen? 

Die Behandlung des in dieser Jahreszeit häufigen Problems gestaltet sich meist sehr mühsam und langwierig. Wie bereits ausführlich in einem Artikel von uns beschrieben (Kavallo 8/2015) reagiert jedes Pferd verschieden auf Mücken- oder Insektenstiche. Dies zeigt sich nicht zuletzt im Grad der Ausprägung der Läsionen. Die Wunden können sich von kleinen unbedeutenden Irritationen bis zu grossflächigen eitrig entzündeten Veränderungen präsentieren. Wichtig ist natürlich auch, an welchen Körperteilen sie auftreten.

In ihrem Fall liegt haben sich die Insekten einen sehr undankbaren Ort ausgesucht. Im Bereich der Sattelgurte ist die Behandlung aufwendig und muss von weiteren Hilfs- und Vorbeugemassnahmen begleitet sein. Bis zum Wiederauflegen eines Sattels muss der Gurtbereich natürlich gänzlich abgeheilt sein, ansonsten Sie nach kurzer Zeit mit oder ohne Mücken wieder aufgefrischte Verletzungen sehen werden. Damit sind die zweite und dritte Frage beantwortet.

Als Therapie empfehlen sich in einem frühen Stadium örtliche Hygienemassnahmen, das heisst grossflächig scheren (in besonderen Fällen rasieren), desinfizieren und kühlen der betroffenen Stelle. Bei wie in ihrem Fall offensichtlich eitrigen, also tieferen Läsionen werden sie anschliessend mit einer milden desinfizierenden Lösung gründlich reinigen und abschliessend mit desinfizierenden und Epithel fördernden Lotionen abdecken. Dieses Verfahren  ist bis zur sichtbaren Besserung zweimal täglich, später noch einmal täglich und schliesslich je nach Befund in grösseren Abständen durch zu führen.

Warum nenne ich Ihnen keine Produktenamen? Auf der einen Seite ist es im Feld der Tiermedizin in den letzten Jahren rasant zu einem signifikanten Engnis der auf dem Markt verfügbaren und erlaubten Medikamenten gekommen. Die Produkte wechseln fast monatlich und die Verfügbarkeit nimmt stetig ab. Zum anderen sind Pferde wie der Mensch auch individuelle Lebewesen. Will heissen, dass nicht jedes Pferd auf die gleichen Produkte gleich oder überhaupt reagiert. Das wäre ja nicht so dramatisch. Dass aber verschiedene Pferde auch auf verschiedene Produkte allergisch reagieren, kann dann wirklich bedrohlich werden. Je nach Allergiegrad können die entstehenden Reaktionen (Nesselfieber, Pusteln, Quaddeln, Atem- und Kreislaufprobleme) weit schlimmere Folgen als die ursprünglichen Veränderungen haben.

Das führt nun zum bekannten Rat, durch Vorbeugung entsprechende Reaktionen gar nicht entstehen zu lassen. Will heissen, Weidegang und Reiten nur dann in Betracht ziehen, wenn keine Mücken fliegen. Oder Ganzkörperabdeckung mit entsprechenden zur Verfügung stehenden Antiinsektendecken benützen.

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