Von: Thomas Frei

NPZ Bern: 7/17

Kooperationen und neue Produkte

20 Jahre NPZ – Junghufschmiede schmiedeten den Glückwunsch aus glückbringenden Hufeisen auf dem Amboss.

Kein Fest ohne Musik – Schwizerörgeli vom Pferderücken aus.

Sightseeingtour im Esel- oder Ponywagen durch den Paddock.

Der erste Ritt fürs Album: Freudig verewigten Väter die Glücksmomente auf dem Ponyrücken.

Holzpferdchen erleichterten den Eintritt in die Pferdewelt.

Premiere für eine neue Disziplin: Die Jungbläser der Bereitermusik in der Sandkjöring-Quadrille.

Betriebsleiterin Salome Wägeli und ihr Team haben sich auch zum Ziel gesetzt, das NPZ Bern wieder verstärkt als «nationales» Zentrum zu positionieren.

Die Begeisterung der seit einem guten Jahr als Betriebsleiterin wirkenden Salome Wägeli für «den schönsten Ort» hat sich mittlerweile auf ihr ganzes Umfeld übertragen.

Einstieg in die Jubiläumsschau «Ich wünsche mir …». Die von den acht Mädchen ausgesprochenen Wünsche ans NPZ wurden von vier freilaufenden Freibergerstuten mit Fohlen unterstützt.

Das 20-Jährige im Bild: Hans Bienz erläutert die wichtigsten Ereignisse aus jedem Jahr.

Mit einer Öffnung nach aussen, einer intensiveren Pflege des kooperativen Gedankens und neuen Produkten will Betriebsleiterin Salome Wägeli dem Nationalen Pferdezentrum Bern die Zukunft sichern. Auf welchem Hufschlag künftig geritten wird, zeigte das Jubiläumsfest.

Unter sich gewesen war die Schweizer Pferdeszene bisher, wenn es an der Papiermühlestrasse etwas zu feiern gab. Anders beim 20-Jahr-Jubiläum des Nationalen Pferdezentrums Bern Mitte Juni. Der Kontakt zur Bevölkerung war schon in den vorangegangenen Tagen gesucht worden, als das NPZ ins Stadtzentrum aufbrach. Am Jubiläumsanlass nutzte Gross und Klein die Einladung und freute sich über die spontanen Begegnungen. Über die Öffnung des Pferdebetriebs hat sich der KAVALLO mit Betriebsleiterin Salome Wägeli unterhalten.

Frau Wägeli, welche Bedeutung hatte das NPZ für Sie vor dem Eintritt als Betriebsleiterin?
Als Rösselerin hatte ich den Betrieb bestaunt, hatte grosse Ehrfurcht vor ihm. Vom Hörensagen her war mir das NPZ freilich noch eher als EMPFA bekannt. Die Betriebsabläufe allerdings kannte ich kaum, mit dem Gestüt war ich schon besser vertraut. Einen Einblick konnte ich mir verschaffen, wenn wir als Jungzüchter bei den Fohlenschauen im Einsatz standen. Bei meiner Tätigkeit an der Hochschule in Zollikofen lernte ich dann das NPZ näher kennen.

Der einstige staatliche Pferdebetrieb hat sich in eine Genossenschaft gewandelt. Aus dem Kavallerie-Remonten-Depot wurde die Eidgenössische Militärpferdeanstalt. Jetzt heisst die Institution Nationales Pferdezentrum Bern.
Die Genossenschaftsform war die einzige Möglichkeit, um den Betrieb weiterführen zu können. Doch auch als Genossenschaft sind wir Schwierigkeiten von aussen ausgesetzt. Die Gebäude stehen im Besitz des VBS, der Springgarten ist Bauland und gehört der Burgergemeinde. Wenn diese Stellen am Zustand etwas ändern möchten, haben wir keinen Einfluss.

Wo setzen Sie die Schwerpunkte für das NPZ?
Vieles ist vorgegeben durch die Genossenschaft. Und auch durch den Markt, auf dem wir uns zu behaupten haben. Freilich geht es dabei nicht nur ums Geldverdienen, von der Genossenschaft vorgegebene Aufgaben gibt es ebenso zu erfüllen. Sehr wichtig ist mir, dass wir eine Öffnung herbeiführen können und zur Bevölkerung einen guten Kontakt haben. Vieles ist vorgespurt, wir stehen dabei erst am Anfang. Wenn sich nun vermehrt Fremde und Mütter mit Kinderwagen auf dem Betrieb aufhalten, sehen das viele als arbeitsbehindernde Gefahrenquelle. Solche Konflikte diskutieren wir intern und suchen nach Lösungen, zum Beispiel über einen Kinderspielplatz auf dem NPZ-Areal.

Braucht es dazu die Hilfe von aussen oder schafft es das NPZ alleine?
Ich glaube an die Genossenschaftsform. Mit dem angekündigten Abbau von Militärpferden müssen wir uns nun aktiv befassen und schauen, wie wir den Einnahmeverlust wettmachen können mit zusätzlichen Dienstleistungen für das Pferd und die Pferdebranche.

Kümmern sich darum aber nicht schon viele?
Wir sind ein Teil der Pferdebranche und müssen uns in diesem Umfeld behaupten und haben nach Kooperationen Ausschau zu halten. Ein geschlossenes Universum sind wir hingegen nicht mehr – das Miteinander ist wichtig und macht das NPZ nur noch stärker. Dies betrifft auch die Berner Stadtbevölkerung, nicht nur Rösseler können am NPZ Freude haben. Auch die denkmalgeschützten Gebäude, der einzigartige Springgarten oder der schöne Baumbestand sind erhaltenswert.

Für die Zukunft des NPZ Bern sind Sie demnach zuversichtlich.
Ja, das bin ich. Wir haben die Unterstützung der Pferdebranche, die meisten kennen unseren Betrieb oder haben einen Bezug dazu. Gewiss müssen wir den kooperativen Gedanken noch mehr pflegen und auch neue Produkte kreieren. Während die einen mit den Veränderungen etwas Mühe haben, empfinden andere die Öffnung nach aussen sympathisch. 

Jugend wird Wissen weitergeben

Die Jugend werde es sein, die das Wissen über das Pferd weitergeben werde, lieferte Peter Gäumann, Präsident der Genossenschaft Nationales Pferdezentrum Bern, die Antwort auf den Entscheid, weshalb künftig noch vermehrter der Nachwuchs ins Zentrum des Betriebs gestellt wird. In seiner kurzen Ansprache zum Jubiläum liess er zudem durchblicken, dass die einzigartige Lage des NPZ vermehrt auch mit Bund, Kanton und Gemeinden zu vernetzen sei. 

Wie weit dem neuen NPZ-Leitbild bereits nachgelebt wird, liess sich in der zwei Stunden dauernden Jubiläumsschau erleben. Keine Sparte fehlte aus dem NPZ, die ihren Nachwuchs nicht in bestem Lichte gezeigt hätte. Die Voltigetrainerin Barbara Zürcher zeigte die Akrobatik zu Pferd vom Einstieg bis auf internationales Niveau. Es wurde geritten und gefahren, Hufschmiede hämmerten auf dem Amboss und das Reproduktionszentrum sorgte für eine humoristische Einlage. Aber auch die «Genossenschafter» waren präsent, der ZKV passend zum Anlass mit dem Future-Programm, die Armee mit Trainpferden und Hunden. Und dass der Freiberger im NPZ zu finden ist, daran erinnerten Stuten mit Fohlen aus der BW-Zucht oder die Schautruppe der Pferdezuchtgenossenschaft Falkenstein. 

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