Von: Dr. med. vet. Hanspeter Meier

Pferdewelt: 7/17

Politik redet wieder über Pferde

Was in der EU – im Bild eine Gruppe Comtois – über die Stellung des Pferdes diskutiert wird, hat auch für die Schweiz Bedeutung. Foto: Tamara Wülser

Auf den Juraweiden ist der Freiberger zum Markenzeichen geworden.

Ohne Förderung durch die öffentliche Hand hat in den vergangenen Jahren der Pferdetourismus wie bei San Jon im Engadin stark zulegen können. Foto: Rossfoto

Für Überwachungsaufgaben zu Pferde wie im Sihlwald sieht man noch ein grosses Potential.

Nicht nur ökologische, auch ökonomische Vorteile werden für den Einsatz von Pferden in der Landwirtschaft gesehen.

Die Pferdehaltung nimmt auch eine wichtige Aufgabe für nachgegliederte Berufe wie Hufschmied ein.

Etwa sieben Millionen Equiden sorgen in Europa allein in der Land­wirtschaft für zirka 400'000 Arbeitsstellen. Eine ansehnliche Grösse,  die vermehrt auch von der Politik wahrgenommen wird und ihnen auch im zukünftigen Europa einen würdigen Platz sichern könnte.

Im Rahmen der Bemühungen der Europäischen Union zur Gestaltung der Gemeinsamen Agrar Politik (GAP) befasste sich Anfang Mai die Pferdegruppe des Europäischen Parlaments mit der Zukunft der Equiden in der Landwirtschaft. Geleitet wurde diese Konferenz in Brüssel vom Franzosen Jean Arthuis, dem Nachfolger der Britin Julie Girling in diesem Amt. Arthuis war früherer Minister für Planung und Entwicklung sowie Wirtschaft und Finanzen unter Jacques Chirac; aktuell unterstützte er die Kandidatur von Emmanuel Macron. Es darf unter diesen Voraussetzungen  angenommen werden, dass nach der engagierten Engländerin Girling nun ein aufgeschlossener und erfahrener Franzose die Koordination der auch für uns wichtigen Aufgabe übernommen hat. 

Gemäss des Tagungsberichts des European Horse Networks (EHN) von Anfang Mai erinnerte Arthuis zuerst an die vorgängige Konferenz letzten Oktober, wo mannigfaltige Schwächen der europäischen Agrarpolitik erkannt wurden. Es ist zu befürchten, dass diese die Zukunft des Pferdes in Europa extrem problematisch gestalten können, obwohl die etwa sieben Millionen Equiden zirka 400'000 Arbeitsstellen auf mehr als sechs Millionen Hektaren ohne Einsatz von Pestiziden bieten. Es gehe jetzt für die GAP darum, den Platz des Pferdes in der Landwirtschaft und dessen Vorteile aufzuzeigen. Dessen geplanter Einsatz stimme mit den Reformkriterien der zukünftigen gemeinsamen Landwirtschaftspolitik perfekt überein.

Vorteile in der Landwirtschaft
Die Begründung dieser Feststellung lieferte das EHN bereits 2015 mit seiner Broschüre «Horses for Growth and Environment» (Pferde für das Wachstum und die Umwelt).

Einzelne Beispiele sind:
• Pferdezucht hat die Vorteile, als nicht-intensive Aktivität den Boden und die Landschaft zu schützen und zu konservieren. Die extensive Beweidung mit Pferden verbessert den Humus und fördert die pflanzliche wie tierische Biodiversität. Infolgedessen ist eine reelle Renaissance des Arbeitspferdes in französischen Weinbergen wie etwa bei den renommierten Weinhäusern Château Latour und Romanée Conti zu beobachten.
• Junge Reben, die nur mit Pferden bewirtschaftet wurden, begannen ein bis zwei Jahre früher Früchte zu tragen als solche, die auf durch Traktoren verdichteten Böden wuchsen. Die Wurzeln der Reben reichen tiefer, die Bodenstruktur regeneriert sich und der Wassergehalt ist ausgeglichener.
• Eine Studie aus Schweden belegt zudem, dass Equiden mit den heute zur Verfügung stehenden Gerätschaften nicht nur eine ökologische, sondern auch eine ökonomische Alternative für die Landwirtschaft in verschiedenen Formen sind.

Einsatz im grünen Tourismus
Im Aufschwung ist erfreulicherweise auch der sogenannte grüne und langsame Tourismus mit Equiden, weil dieser besonders umweltschonend ist. Innert 40 Jahren wuchs dieser von einer Randaktivität auch zu einem vorzüglichen Mittel, um die Beziehung zwischen Mensch, Tier und Umwelt zu fördern. Er ist in historischen Städten Europas gut entwickelt und wurde in Frankreich in Bezug auf Statistiken von Arbeitsstellen im Pferdebereich zu einer der wichtigsten Säulen eines nachhaltigen ländlichen Tourismus. Nicht zu vergessen ist dabei, dass diese Entwicklung ebenfalls zur Erhaltung von Arbeitsplätzen in nachgegliederten Branchen führt, wie Hufschmiede, Sattler, Wagner oder Veterinäre. Equiden sind somit auch Partner in einem System von reduziertem Verkehr dank lokaler Produktion und Verarbeitung wie auch zur Stärkung des sozialen Zusammenhaltes.

Mehr Unterstützung gefordert
Eine weitere Entwicklung zugunsten der Umwelt und des Klimas ergab sich in Frankreich mit der Nutzung von Equiden für kommunale Aufgaben. Während 2001 nur in 20 Gemeinden Pferde und Esel für die Abfuhr von Abfall, Glas und Papier, für den Transport von Kindern in die Schule sowie die berittene Überwachung eingesetzt wurden, waren es 2015 bereits deren 300. Begründet wurde dieses Vorgehen vorab wegen der Eliminierung von Lärm, Abgasen und Schadstoffen von Fahrzeugen und Maschinen.   

Anlässlich des diesjährigen Treffens in Brüssel veranlassten die positiven Entwicklungen aus Wirtschaft und Umwelt auch den Präsidenten James Murphy der COPA (Komitee der professionellen landwirtschaftlichen Organisationen Europas, inkl. Schweiz) zu einer Stellungnahme. Er ist der Ansicht, dass Pferde als landwirtschaftliche Produkte unterstützt werden sollen durch Direktzahlungen, eine gemeinsame Marktordnung und für die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums.     

Interessanterweise befasst sich nun auch die «Europäische Föderation für Tierwissenschaften» mit Projekten für eine ökologische  und umweltverträgliche Tierhaltung der Zukunft. Ihre 68. Jahrestagung im August steht unter dem Titel «Patterns of Livestock Production in the Development of Bioeconomy» (https://eaap2017.org). Möglichkeiten der Nutzung der Equiden werden dort in vier Sessionen erörtert, wobei deren Einsatz als Arbeitstiere im Bereich der Bioenergie auch durch einen Beitrag aus der Schweiz Unterstützung finden wird. 

Die Zusammenarbeit dieser Organisationen lässt zur Zeit reelle Hoffnung keimen, dass unsere Equiden auch im zukünftigen Europa einen würdigen Platz haben werden.

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