Editorial: 7/17

Wenn der Tierschutz Imageschaden anführt

Tiere vor Schmerzen zu bewahren ist für Tierschutzorganisationen oberstes Gebot. Im jüngsten Pressecommuniqué geht der Schweizer Tierschutz STS noch einen Schritt weiter. Aufgrund seiner letztes Jahr gemachten Beobachtungen an Pferdesportanlässen ist für ihn dringender Handlungsbedarf angezeigt. Ins Visier genommen wird dabei die seit 2014 verbotene Rollkur. Im Appell des STS an den Schweizerischen Verband für Pferdesport wird nun aber nicht nur «tierschutzwidriges Verhalten» angeführt. Der Schweizer Tierschutz fordert den Pferdesport ebenso ultimativ auf, dafür zu sorgen, dass das «imageschädigende Verhalten» einzustellen sei.

Abgeschafft werden soll der Pferdesport trotz der offensichtlichen Ver­stösse gegen geltendes Recht also nicht. Das ist beruhigend. Bedenklicher dagegen ist, dass eine Tierschutzorganisation den Verband aufmerksam macht, für den Sport seien solche Vorkommnisse «imageschädigend». Dieser Hinweis kommt Peitschenschlägen gleich und muss uns alle aufschrecken. Ein schlechtes Image in der Öffentlichkeit, das kann sich der Pferdesport nicht leisten, das wollen wir nicht.

Den Pferdesportverbänden muss es mittlerweile klar sein: Kontrolliert wird auch ohne sie. Vermehrt auch von aussen. Der SVPS hat aber ein Kontrollproblem, wenn schon in Ausschreibungen das Reglement in puncto Starts nicht eingehalten wird. Und wo ist die Kontrolle, wenn ein Dressurreiter nach dem Programm noch eine halbe Stunde lang eng beigezäumt auf dem Abreiteplatz nachexerziert? Leider ist es dieses Jahr zudem nicht das erste Mal, dass tierschutzrelevante Fälle publik werden. Der von der FEI verurteilte irische Springreiter Kevin Thornton war auch in der Schweiz bekannt als einer, der schon einmal an die Grenzen geht. In Cagnes-sur-Mer ging er darüber hinaus, ein Pferd musste das Leben lassen.

Thomas Frei
Chefredaktor

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