Von: Tamara Wülser

Kavallino: 6/17

Freude an der Schwerarbeit

Im Wald waren Freiberger über Jahrzehnte beliebt, heute zeigen sich ihre Qualitäten in den Holzrückeparcours.

Platz eins holte sich die Shettystute Ramona mit der Besitzerin Sara Meier, mit Vivianne Badertscher (im Bild) kam sie auf Platz zwei.

Schon zentimetergenaues Rücken ist schwierig, zudem dürfen die Bälle beim Durchziehen nicht von den Kegeln fallen.

Der Stamm muss ausbalanciert auf dem anderen liegenbleiben wie bei Anuschka und Verena Wülser.

Soll der Parcours fehlerlos absolviert werden, ist ein gutes Zusammenspiel zwischen Pferd und Mensch wichtig.

Den Platz bei der Waldarbeit hat das Pferd schon vor längerer Zeit an Maschinen abtreten müssen. Doch begeisterte Holzrücker wissen die Vorzüge der Pferde immer noch zu schätzen. Aber nicht nur im Wald kann man Holz rücken, auch an Turnieren hat sich diese Disziplin etabliert. Ein Kurs in Meiringen zeigte, dass es auch für Kinder und Ponys eine schöne Abwechslung zur alltäglichen Arbeit darstellen kann. 

Einen Schritt, noch einen Schritt, ganz sanft ins Brustblatt liegen, ohne einen Schritt zu machen – und geschafft: Der Baumstamm ist in der Waage. Sara Meier ist mit dem Shetty aufgewachsen. Irgendwann kam der Moment und sie war zu gross, um ihn zu reiten. Auf der Suche nach Alternativen stiess sie auf das Holzrücken. Und dem kleinen Rappen scheint es Spass zu machen. Um auch anderen die Freude am Holzrücken zu vermitteln, organisierte Sara Meier zusammen mit Hansueli Stöckli einen Holzrückekurs in Meiringen BE. Einige Teilnehmer hatten schon Erfahrungen, andere noch keine.  Zuletzt konnten sich alle in einer Prüfung messen. Der Shettywallach war dabei der kleine Star.
Voraussetzung für die Teilnahme am Kurs war, dass die Pferde und Ponys eingefahren sind. Denn zum Rücken ist es von Vorteil, wenn ein Pferd gewohnt ist zu ziehen und keine Angst von hinterhergezogenen Sachen hat. «Aber nicht jedes eingefahrene Pferd eignet sich zum Holzrücken», erklärt Hansueli Stöckli. Auch Fahrpferde können negativ auf einen fünf Meter langen Stamm oder die Geräusche reagieren, welche Waage, Kette oder Stamm verursachen. Um herauszufinden, wie das Pferd auf den Stamm reagiert, bediente sich Hansueli Stöckli eines Tricks. Anstatt den Stamm fix an der Waage anzubringen, band er ein Seil um den Stamm und zog dieses durch den Haken an der Waage. Dann hielt er das Ende des Seils in der Hand. Sollte das Pferd Angst bekommen, hätte er das Seil nun loslassen können und der Stamm wäre von der Waage und dem Pferd getrennt. Mit allen Pferden im Kurs war der erste Versuch mit Seil erfolgreich. Nur ein Pony hatte Angst, den Stamm an der Kette zu ziehen. Vielleicht, weil es metallisch klirrte. Um keinen Unfall zu riskieren, wurde mit ihm nicht mehr weitergearbeitet. Denn wenn ein Pferd mit angehängtem Stamm durchbrennt, wird es sehr gefährlich.

Fingerspitzengefühl ist nötig
Das erste Hindernis bei einem Turnier ist immer das Rückwärtsrichten durch eine Gasse, natürlich noch ohne Stamm. Danach wird der Stamm angehängt und die Hindernisse müssen der Reihenfolge nach absolviert werden. Sobald man mit dem Rückwärtsrichten beginnt, läuft die Zeit. Die Zeitvorgabe reicht meistens, um den Parcours ruhig aber flüssig zu absolvieren.
Einige Aufgaben erinnern ans Hindernisfahren. Der Stamm ist durch Tore aus Kegeln zu ziehen, die oben aufgelegten Bälle dürfen dabei nicht runterfallen. Der Slalom mit einem langen Stamm ist gar nicht so einfach. Doch die kleine Vivianne zeigte mit dem Shetty allen, dass dies kein Problem ist. Bei der Waage musste der Stamm seitlich auf einen anderen Stamm gezogen werden mit dem Ziel, den Stamm nur soweit über den anderen Stamm zu ziehen, dass er für einen kurzen Moment weder nach vorne noch nach hinten kippt. Dabei durften aber die Kegel vor dem Baumstamm nicht verschoben werden. Auch eine Wippe musste in Meiringen mit dem Baumstamm überschritten werden, wiederum sollten keine Kegel berührt werden.
Beim Lothar-Hindernis muss das Pferd beweisen, dass es stillstehen kann. Zu überwinden ist zuerst ein höher liegender Ast, dann muss es stillstehen, um den Stamm abzuhängen und ihn dann wieder unter dem Ast durch neu zu befestigen und weiterzuziehen. Das «Wäldchen» stellt eine Art Engpass dar, durch den das Pferd gehen muss. Bei einem anderen Hindernis war wiederum Feinarbeit gefragt. Der Stamm musste auf einen Stamm mit eingesägten Kerben gezogen werden. Ganz langsam musste er nun von einer Kerbe in die nächste gezogen werden und dabei jedesmal kurz stillstehen. Zuletzt wurde der Stamm vorwärts vom anderen Stamm gezogen.
Eine knifflige Aufgabe folgte zum Schluss mit dem Aufpoltern. Der Stamm musste dabei auf zwei nebeneinander liegende Stämme gezogen werden. Unter der Anleitung des Experten Hansueli Stöckli war es jedoch kinderleicht. Der zu rückende Stamm wird an die beiden anderen Stämme herangezogen. Liegt der Stamm in gleicher Richtung wie die anderen beiden Stämme, muss er etwa 30cm über das Ende der beiden Stämme gezogen werden. Das Pferd hat ein bisschen rückwärts zu gehen und dann über die beiden Stämme zu steigen. Im 90-Grad-Winkel zu den Stämmen zieht das Pferd nun so lange, bis der Stamm auf den anderen liegt. Danach muss sich das Pferd wieder in Richtung der Stämme bewegen, ohne dabei zu ziehen. Und zum Schluss muss der Stamm noch ganz auf die anderen Stämme gezogen werden. Dann wird gemessen: Der Stamm muss bündig auf den anderen liegen. Liegt er zu weit hinten oder oder zu weit vorne, gibt es für jeden Zentimeter Abzug.
Am Schluss werden die Punkte aller Hindernisse zusammengezählt. Bei Punktegleichstand entscheidet die schnellere Zeit.

Die Ponys überzeugten
Hansueli Stöckli legte grossen Wert auf Sicherheit und korrekten Umgang mit den Pferden. Denn das Wichtigste ist: «Das Pferd muss Spass bei der Arbeit haben.» Wichtig ist daran zu denken, dass beim Holzrücken immer ein grosser Widerstand entgegenwirkt. Beim Fahren hingegen muss der Wagen nur angezogen werden und – geht es geradeaus – rollt danach fast von alleine. Daher sollte anfänglich nie mit einem allzu schweren Stamm begonnen und auch nicht zu lange gearbeitet werden. «Wichtig ist, nicht gegen Steine oder Wurzelstöcke zu fahren, da dies zu massiven Schlägen auf die Schultern des Pferdes führt.» Die Aufgaben in den Rückeprüfungen ähneln ganz den Aufgaben, die sich Pferd und Mensch auch bei der Arbeit im Wald stellen.
Am Ende des Kurses in Meiringen absolvierten alle die Prüfung, eine Hilfsperson war aus Sicherheitsgründen erlaubt. Alle führten die Parcours ruhig aus und zeigten, was sie gelernt hatten. Zu überzeugen wusste vor allem die Shettystute: Sie holte sich die weisse Schleife mit ihrer Besitzerin, Platz zwei mit der jungen Vivianne und den vierten Platz noch mit einer anderen Teilnehmerin. Fellpony Anuschka kam auf den dritten Platz. Harmonisch zeigte sich auch Andreas Zumbrunn mit dem Tinkerwallach Peter im Parcours.

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