Von: Daniela Kammermann | Fotos: Archiv NPZ

NPZ Bern: 5/17

Mit den Bürden der Privatisierung leben

Die Privatisierung öffnete die Tore der EMPFA und ermöglichte, sein Pferd im ehemaligen Bundesbetrieb in Pension zu geben.

Bernhard Hofer, der erste Betriebsleiter, wollte aus dem NPZ Bern ein grosses Reitinstitut machen und gründete das Reitergymnasium. Foto: Elisabeth Weiland

Eine grosse Aufgabe hatte Ernst Voegeli während seiner Zeit als Betriebsleiter mit den Umbauten und Sanierungen zu bewältigen.

Eine unvergessliche Galaschau organisierten Hans Bienz (rechts) und Beat Wampfler zum 10-Jahr-Jubiläum anlässlich der PFERD 2007.

Zu einem wichtigen Standbein im NPZ entwickelte sich die Tierarztklinik, die von Beat Wampfler und Stefan Bettschen geführt wird.

Die Gründung des NPZ Bern hat dem Pferdesport landesweit die schönste Reitanlage erhalten.

Als das Nationale Pferdezentrum NPZ Bern 1997 seine Tätigkeit aufnahm, öffneten sich auch die Tore der ehemaligen Eid­genös­sischen Militär­pferde­anstalt EMPFA für die breite Bevölkerung.  Die von sieben Mitgliedern gegründete Genossenschaft betrieb die historische Anlage ab diesem Zeitpunkt privat und es wurden neue ökonomische Massstäbe gesetzt.

Mit der symbolischen Schlüsselübergabe durch Pierre-Eric Jaquerod an den ersten Betriebsleiter Bernhard Hofer wurde der über 100-jährige Bundesbetrieb in die neue private Organisation überführt. Die junge Genossenschaft stand vor keiner einfachen Aufgabe und grossen Herausforderungen. Bernhard Hofer, der Tierarzt aus Tschugg, stammte nicht aus einer Rösselerfamilie, war aber immer von Pferden fasziniert gewesen. Geplant war, dass die Bern Expo das Management übernimmt und er die fachliche Leitung des Betriebes hat. Die Mitarbeitenden waren sehr motiviert und wollten den Übergang in einen privaten Betrieb erfolgreich vollziehen. «Sie alle haben sich sehr eingesetzt», erklärt er. «Vor meinem geistigen Auge sah ich immer noch die Zeiten von Fischer und Chammartin. Diese wollte ich wieder aufleben lassen.» Einen ersten Schritt in diese Richtung machte er mit der Anstellung von Werner Ulrich, der bereits seinen ersten WM-Titel in der Tasche hatte. Ein Jahr später kam es zum ersten grossen Erfolg für das NPZ: In Rom errang Werner Ulrich den WM-Titel bei den Vierspännern.

Die Ära «Reitergymnasium»
Eine Idee von Hofer war auch, junge Pferde und junge Leute gemeinsam auszubilden, um Nachwuchstalente zu fördern. So begann Hofer seine NPZ-Zeit mit der Umsetzung des Reitergymnasiums: «Das Skigymnasium war zu dieser Zeit in aller Leute Munde, was mich auf die Idee des Reitergymnasiums brachte.» Die erste Ausschreibung war ein grosser Erfolg, viele Interessenten meldeten sich und wurden zum Vorreiten eingeladen. Davon qualifizierten sich zwölf Jugendliche für den ersten Lehrgang. «Die Absolventen des Reitergymnasiums besuchten die Feusi Sportschule wie auch die Berufsschule für Bereiter. Daneben wurden jeden Tag verschiedene Pferde geritten und Stallarbeiten verrichtet», erzählt Hofer.
Bernhard Hofers Vorstellungen für das NPZ deckten sich jedoch nicht mit den Vorstellungen des Partners Bern Expo und so musste er den Betrieb nach etwas mehr als zwei Jahren verlassen. Die Voraussagen vieler, dass der erste Betriebsleiter stolpern würde, hatten sich bewahrheitet. Das Reitergymnasium schlief nach dem Weggang von Hofer langsam ein. Auch weil die Ausbildung sehr teuer und anspruchsvoll war. Die Reitergymeler aber, die sich durchgekämpft hatten, sind nach wie vor erfolgreich im Pferdesport unterwegs. «Der erste Jahrgang des Gymnasiums hat gezeigt, was möglich ist», betont Hofer. Nebst Schule und Reitunterricht pflegte jeder seine Pferde selbst. Einige Stipendiaten hatten eigene Pferde, andere wiederum ritten die Pferde, welche von Züchtern zur Verfügung gestellt wurden. Das Reitergymnasium hat die NPZ-Zeit von Hofer geprägt.

Der Baumeister: Ernst Voegeli
Als zweiter Betriebsleiter trat am 1.Oktober 1999 Ernst Voegeli die Herausforderung im NPZ an. Der Kavallerieoffizier war in der Architektur tätig und hatte 1973 als einer der ersten und jüngsten die Meisterprüfung zum eidg. dipl. Reitlehrer bestanden. Für ihn war klar, dass er seinen Lebensunterhalt in der Pferdebranche verdienen wollte und es war immer sein Traum gewesen, einmal den grössten Pferdebetrieb der Schweiz zu leiten. Voegeli trieb die Öffnung des NPZ für den Basissport voran und schon bald waren die Reithallen abends an Reitvereine und weitere Organisationen vermietet.
Als Voegeli die Betriebsleitung übernahm, standen viele Bauvorhaben an. Die alten EMPFA-Gebäude waren baufällig geworden. Als Planer und Architekt war er für diese Aufgabe prädestiniert. Der Umbau erfolgte in Zusammenarbeit mit dem VBS und umfasste die ganze ehemalige EMPFA: Verwaltungs- und Stallmeistergebäude, Kuranstalt und Reithallen. Weiter folgte die Umstellung von Stand- zur Boxenhaltung, der Einbau von Dachfenstern in den Stallungen und der Umbau der Wagenremise. Eine grosse Herausforderung waren natürlich die Auflagen des Denkmalschutzes. Während Voegelis NPZ-Zeit wurde die Wagenremise in Büros unter anderem für den SVPS und die Geschirr- und Wagensammlung umgebaut, zudem wurde auch der grosse Aussenreitplatz saniert und erweitert.
Voegelis Auftrag war, neue Geschäftsfelder zu eröffnen, um Einnahmen zu generieren. Die Sparten Fahren, Dressur und Springen waren bereits operativ tätig, für die Reitschule wurde Nicolas Pauchard eingestellt und für den Bereich Pferdegesundheit gewann er die Tierärzte Beat Wampfler und Stefan Bettschen. Beide sind heute noch die Grundpfeiler des NPZ-Veterinärdienstes. Da rundum sparen angesagt war, konnten viele seiner Ideen nicht umgesetzt werden. Viele grosse Ausgaben waren aber vorgegeben und während der kurzen Zeit im NPZ hatte er nicht die Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen.
Nach Unstimmigkeiten mit der Verwaltung kündigte Voegeli im Februar 2002. Sein Nachfolger war Hans Bienz, der bereits Stellvertreter von Voegeli wie auch von Bernhard Hofer gewesen war und den Betrieb bereits beim ersten Wechsel ad interim geführt hatte. Hans Bienz war 1968 in die EMPFA eingetreten und hatte sich 40 Jahre lang mit viel Herzblut für den Betrieb eingesetzt. Nach der Abschaffung der Kavallerie war er Leiter des Bereichs VBS und u.a. auch für die Lehrlingsausbildung in der EMPFA mitverantwortlich. Auch absolvierte er berufsbegleitend die Ausbildung zum Reitlehrer. «Als Bereiter in der EMPFA hatte man die Gelegenheit, gute Pferde bis in S-Prüfungen vorzustellen», erzählt Bienz.

Der finanzielle Tiefpunkt
Gleich zu Beginn sah sich Bienz mit grossen Finanzproblemen konfrontiert. Die Ergebnisse der Sparten wurden durch ein Treuhandbüro überwacht, was zur undankbaren Aufgabe führte, Stellen abzubauen. «Für mich wie für diejenigen, die ihre Arbeit verloren haben, war dies eine sehr schwierige Situation», erinnert sich Bienz. Der betriebswirtschaftliche Gedanke rückte in den Vordergrund. «Der Zeitdruck und das finanzielle Denken hatten während der EMPFA-Zeit nicht diese Gewichtung, der Job musste einfach sauber erledigt werden. Für Dienstleistungen galt es nun plötzlich, Rechnungen zu stellen.»
Immer auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern zog Bienz die Parkplatzbewirtschaftung auf. Das NPZ begann an diverse Firmen Parkplätze zu vermieten. Schritt für Schritt -wurde der Betrieb auch für Events geöffnet. Diese gaben einen schönen finanziellen Zustupf in die Kasse. «Die Organisation war aber sehr aufwändig und der Ärger, auch bei den Pensionären, wegen den besetzten Reitflächen oft gross. Mit dem Konkurs des Organisators ging die Ära Pubfestival zu Ende», erzählt Bienz. Eines seiner Highlights als Betriebsleiter war das Zehn-Jahr-Jubiläum des NPZ. «Es war toll, dieses zu organisieren und mitzuerleben», schwärmt Bienz. «Dieser legendäre Anlass hat in der BEA-Eishalle mit einem spektakulären Showprogramm vor 2000 Zuschauern stattgefunden.»

«Viel vom Reiten lernt man mit den Stiefeln unter dem Tisch»
Wird der ehemalige Betriebsleiter Hans Bienz gefragt, was sich seiner Ansicht nach zu früher verändert hat, wird er nachdenklich: «Früher war die Anstellung in der EMPFA eine Lebensstelle. Heute wechseln die Angestellten fleissiger und es ist schwierig, gute loyale Mitarbeitende zu finden, die 100-prozentig für den Betrieb mitdenken. Pferdeausbildung ist aber Vertrauenssache, daher ist eine gesunde Mitarbeiterbindung wichtig.» Er bedauert, dass vor lauter Zeit- und Kostendruck die Geselligkeit oftmals zu kurz kommt. «Viel vom Reiten lernt man mit den Stiefeln unter dem Tisch», ist einer seiner Leitsprüche. Denn viele Themen diskutierte man am besten gleich nach der Arbeit beim gemütlichen Beisammensein, so lerne man am meisten. So wie es früher an Reitsportanlässen in den Vereinen üblich war.

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