Editorial: 4/17

Pferdesport ist ein sensibles Gut

Pferde haben es immer verstanden, sich auf unsere Bedürfnisse einzustellen. Nicht aus freien Stücken heraus, sondern weil wir ihnen die von uns verlangten Eigenschaften angezüchtet haben. Waren einmal schwere Typen gefragt, um die gepanzerten Ritter ins Turnier tragen zu können, waren es später in unserer Gegend leichtere Typen für den Saumdienst über die Alpen, bevor wieder ein schwereres Reit- und Wagenpferd gefragt war, das sich auf einem verbesserten Strassennetz für den Personen- und Warentransport einsetzen liess. Unsere unterschiedlichen Ansprüche haben inzwischen zu einer nie dagewesenen Vielfalt von rund 900 verschiedenen Rassen geführt, aus denen wir das Pferd unserer Träume auslesen können.

Braucht es nun wieder einen neuen Typ Pferd, wenn sich die Welt so rasch ändert, wie das die Global-Champions-Initianten prophezeien? Um in der modernen sportlichen Welt mithalten zu können, müsse sich der Pferdesport weiterentwickeln. Und das heisst für sie: Wachstum mit neuen Sponsoren, höheren Preisgeldern und einer höheren Kapitalrendite für alle beteiligten Interessenverteter. Gegen diese Weiterentwicklungen im Springsport will oder kann die Internationale Reiterliche Vereinigung FEI seit der Einigung mit den Global-Champions-Akteuren die Zügel nicht mehr aufnehmen. Im Gegenteil: Wenn schon mehr Geld in den Pferdesport fliessen soll, will sie über höhere Nenngelder wenigstens auch davon profitieren.

Olympiasieger Steve Guerdat fürchtet bei dieser Entwicklung das Ende des Springsports. Das Ende führt sie wohl nicht herbei, aber zweifellos zu immer engeren und von aussen her bestimmten Rahmenbedingungen. Empfindlich reagiert die Allgemeinheit, wenn finanzielle Entwicklung mehr im Vordergrund steht als das Wohl der Pferde. 

Thomas Frei
Chefredaktor

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